Sprungziele
Hauptmenü
Inhalt

Fachkräfteeinwanderungsgesetz auch Chance für Ortenauer Unternehmen

275 von 600 ausländischen Fachkräften in Baden-Württemberg kamen in den Ortenaukreis

In Deutschland fehlen nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) mehr als eine halbe Million Fachkräfte. Besonders groß sei die Personalnot in den Bereichen Sozialarbeit, Erziehung, Pflege, Handwerk und Informationstechnik. Wie überall im Land spitzt sich der Fachkräftemangel auch im Ortenaukreis immer mehr zu. Von der Gastronomie über die Pflege bis zum produzierenden Gewerbe wird händeringend nach qualifizierten Arbeitskräften gesucht.

„Eine Möglichkeit diesen Bedarf durch entsprechende Fachkräfte zu decken, ist es, die passenden Arbeitnehmer aus dem Ausland zu rekrutieren“, erklärt Ludwig Schuster, stellvertretender Leiter des Migrationsamts des Ortenaukreises und verantwortlich für die Fachkräfteeinwanderungsstelle. Etliche Unternehmen aus der Region gehen diesen Weg bereits. „Das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das im Frühjahr 2020 in Kraft getreten ist, hat das zuvor sehr bürokratische, komplexe und zeitintensive Verfahren durch ein beschleunigten Visumsverfahren erheblich vereinfacht“, so Schuster weiter. In der Ausländerbehörde des Landratsamts wurde dazu eine Fachkräfteeinwanderungsstelle eingerichtet, die Unternehmen mit Betriebssitz im Ortenaukreis außerhalb der fünf Großen Kreisstädte betreut. „Für eine Gebühr von 411 Euro werden die interessierten Arbeitgeber im Rahmen des beschleunigten Verfahrens umfassend beraten und es werden Fristen überwacht, damit das ganze Verfahren schneller vorankommt“, erklärt Schuster. Betrachte man die letzten beiden Jahre, sei tatsächlich zu erkennen, dass die Verfahren wesentlich schneller zur Arbeitsaufnahme führen als früher. „Das Geld ist demnach für Arbeitgeber gut investiert“, so der Experte. Das beschleunigte Verfahren dauere ungefähr vier Monate.

Insgesamt seien seit Einführung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes bisher rund 600 Fachkräfte im beschleunigten Verfahren nach Baden-Württemberg gekommen, annähernd die Hälfte davon, nämlich 275, kamen bis August dieses Jahres in den Ortenaukreis. „Bei den Arbeitgebern in der Region herrscht eine hohe Akzeptanz und Vertrauen, bereits von Anfang an war das große Interesse der regionalen Arbeitgeber zu spüren“, so Schuster. Jedoch habe es aufgrund der Coronapandemie und den damit verbundenen Unsicherheiten und gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen einen Einbruch gegeben. „Bis Mitte August wurden in diesem Jahr bereits ca. 150 Vereinbarungen geschlossen, sodass wir mit über 200 Vereinbarungen bis zum Ende des Jahres rechnen.“

Für die Zukunft ist es laut Schuster wichtig, dass das Verfahren noch mehr vereinfacht wird, vor allem auch was die Anerkennung von Bildungsabschlüssen und Qualifikationen anbetrifft. Hier seien die Möglichkeiten der Fachkräfteeinwanderungsstelle begrenzt und es gelte sich breiter aufzustellen und Strukturen zu schaffen, um den Erwerb noch fehlender Qualifikation zu erleichtern - eine Zukunftsaufgabe von Wirtschaft, Kammern und Politik. Hoffnung mache in diesem Kontext die Fachkräftestrategie der Bundesregierung, die der Arbeits- und der Wirtschaftsminister sowie die Bildungsministerin nach einem Fachkräftegipfel mit Wirtschaft und Gewerkschaften in dieser Woche in Berlin angekündigt haben. Danach soll u.a. auch die geplante Modernisierung des Einwanderungsgesetzes Anfang des nächsten Jahres beschlossen werden und die Anerkennung von Berufsabschlüssen erleichtert werden.

Eigene Wege geht beispielsweise auch das Land Baden-Württemberg, das gerade flankierend Deutschkurse von ausländischen Pflegekräften in deren Herkunftsländern mit einer Million Euro finanziert – damit noch fehlende Sprachqualifikationen möglichst schnell nachgeholt werden können. Darüber hinaus nimmt das Land auch an einem Programm der Bundesagentur für Arbeit teil, mit dem Pflegefachkräfte aus Ländern wie Bosnien-Herzegowina, Tunesien und den Philippinen angeworben werden sollen.Diese Programme seien auch eine Chance für regionale Unternehmen.

Arbeitgeber aus dem Zuständigkeitsbereich des Landratsamts, die bereits konkret eine qualifizierte ausländische Fachkraft einstellen und diese möglichst schnell hier im Ortenaukreis haben möchten sowie Unternehmen, die Information benötigen oder eine erste Beratung in Anspruch nehmen möchten, können sich gerne an die Fachkräfteeinwanderungsstelle beim Landratsamt unter fachkraefte@ortenaukreis.de wenden.