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Die Kommunale Gesundheitskonferenz im Ortenaukreis diskutierte über die Zukunft des Pflegeberufs

Arbeitsgruppen haben zahlreiche kreisweite Lösungen für gesundheitspolitische Fragestellungen entwickelt

Die Kommunale Gesundheitskonferenz Ortenaukreis (KGK) kam am Mittwoch, 1. Juni 2022, zu ihrer dritten Plenumssitzung im Landratsamt Ortenaukreis in Offenburg zusammen. Die KGK ist ein regionales Koordinierungs-, Beratungs- und Vernetzungsgremium bestehend aus verschiedensten gesundheitspolitischen Interessengruppen aus dem Landkreis. Das Gremium entwickelt Ziele und Handlungsempfehlungen für die regionale Gesundheitsförderung und Prävention, die medizinische Versorgung sowie die Pflege.

„Ziel der Kommunalen Gesundheitskonferenz ist es, gemeinsam mit den gesundheitspolitischen Akteuren die flächendeckende gesundheitliche Versorgung der Menschen im Ortenaukreis sicherzustellen“, so Reinhard Kirr, verantwortlicher Dezernent im Landratsamt Ortenaukreis. „Wir sind sehr froh, dass wir nach der langen pandemiebedingten Pause nun endlich wieder aktiv an den Start gehen, die zwischenzeitlich von den Arbeitsgruppen entwickelten Ergebnisse vorstellen und die angestoßenen Projekte weiterentwickeln können“, so Kirr weiter.

Insbesondere das Pflegepersonal habe in der Pandemie Außergewöhnliches geleistet. Es habe sich in dieser Zeit aber auch gezeigt, dass das Gesundheitssystem an vielen Stellen Nachbesserungsbedarf hat. „Deshalb sind zukunftsgewandte und nachhaltige Lösungen erforderlich, um unter anderem den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten und damit auf die angespannte Personalsituation in Pflegeheimen, ambulanten Pflegediensten und Kliniken reagieren zu können“, so der Dezernent.

In diesem Sinne lautete auch das Motto der Plenumsveranstaltung „Pflege- Neu denken?! – Wie kann der Pflegeberuf attraktiver werden?“. Bei der ganztägigen Veranstaltung mit Fachvorträgen und Workshops standen unter anderem die aktuelle Belastungssituation in der Pflege, die Gestaltung der Pflegeausbildung und deren Akademisierung, der landes- und bundesweite Zusammenschluss in der Pflegekammer sowie Ansätze einer ganzheitlichen Medizin in der ambulanten Versorgung als Themen auf dem Programm. Zu den renommierten Referenten und Referentinnen der Tagung zählten Klaus Tischler und Barbara Driescher vom Landespflegerat sowie Edith Kühnle vom Bonner Verein für Pflege – und Gesundheitsberufe e.V. Darüber hinaus wurde in vier Workshops, in deren Zentrum die Erarbeitung konkreter Handlungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Situation der Pflegekräfte im Ortenaukreis stand, ausgiebig diskutiert. Zudem zogen die Leitungen der drei KGK-Arbeitsgruppen eine Bilanz ihrer bisherigen Arbeit.

Die Ergebnisse der Workshops, die Abschlussberichte der Arbeitsgruppen sowie weitere Informationen zur KGK Ortenaukreis sind in Kürze auf deren Internetseite unter www.ortenaukreis.de/kgk abrufbar.

Hintergrundinformation: Die Ergebnisse der KGK-Arbeitsgruppen

„Sicherstellung der ambulanten gesundheitlichen Versorgung im Ortenaukreis (Sektorenübergreifende Versorgung)“
Die Arbeitsgruppe hatte vom Kreistag den Auftrag erhalten, Handlungsempfehlungen zur sektorenübergreifenden gesundheitlichen Versorgung im Ortenaukreis unter besonderer Berücksichtigung der aufzugebenden Klinikstandorte Ettenheim, Oberkirch und Kehl zu erarbeiten. „Um diese Handlungsempfehlungen zu erstellen, haben wir in einem ersten Schritt eine umfassende Bestands- und Bedarfsanalyse mittels zahlreicher Befragungen durchgeführt. So fanden etwa sechs Bürgergespräche im Ortenaukreis unter anderem zur haus- und fachärztlichen sowie zur Notfallversorgung statt,“ so Evelyn Bressau, Gesundheitsamtleiterin und Leiterin der Arbeitsgruppe. Anhand der Ergebnisse der Bedarfs- und Bestandsanalyse konnte die Arbeitsgruppe Empfehlungen für den Bund, das Land und die lokale Ebene ableiten. „Ein zentrales Ergebnis für den Ortenaukreis sind die ‚patientenorientierten Versorgungszentren‘, die eine koordinierte und kontinuierliche Versorgung gewährleisten sollen“, so Bressaus Resümee. „Wir freuen uns, dass wir auf Grundlage dieser Ergebnisse bereits Folgeprojekte zu den Themen ‚Sicherstellung der geburtshilflichen Vor- und Nachsorge in der Region Oberkirch-Renchtal‘ und ‚Entwicklung eines Konzeptes für einen Gesundheitslotsen‘ anstoßen konnten.“

„Nachwuchsgewinnung in Medizin, Pflege und Hebammenwesen“
Wesentliches Ergebnis der Arbeitsgruppe „Nachwuchsgewinnung in Medizin, Pflege und Hebammenwesen“ ist die neue Koordinierungsstelle zur Umsetzung des neuen Pflegeberufegesetzes sowie die Veröffentlichung eines Leitfadens zur Beschäftigung von ausländischen Mitarbeitenden im Gesundheitswesen. „Durch die gute Vernetzung aller beteiligten Akteure konnten wir ein einheitliches Schulcurriculum für alle Berufsfachschulen für Pflege und einen einheitlichen betrieblichen Ausbildungsplan im Ortenaukreis entwickeln“, so Jürgen Mohrbacher, Leiter der Koordinierungsstelle und der Arbeitsgruppe. „Trotz Einführung der generalistischen Pflegeausbildung konnten wir die Ausbildungszahlen auf dem hohen Niveau von 2019 halten“, so Mohrbacher weiter. Ulrich Geiger, ebenfalls Leiter der Arbeitsgruppe, berichtete zusätzlich über weitere Aktivitäten wie das „Date mit der Ortenau“, welches besonders die Nachwuchsgewinnung in der hausärztlichen Versorgung zum Ziel hat. Außerdem konnte die Arbeitsgruppe den letzten Ausbildungsjahrgang an der Hebammenschule in Lahr sowie einen nahtlosen Übergang zur dualen Ausbildung an der Hochschule Furtwangen in Kooperation mit dem Ortenau Klinikum sicherstellen.

„Förderung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung“
Die Arbeitsgruppe „Förderung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung“ führte im Herbst 2019 eine Fachtagung durch. „Wir freuen uns, dass wir so viele Fachkräfte aus dem Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich sowie andere interessierte Personen für dieses wichtige Thema gewinnen konnten“, so Andrea Blaser vom Amt für Soziale und Psychologische Dienste des Ortenaukreises und stellvertretende Leiterin der Arbeitsgruppe. Darüber hinaus habe man verschiedene Projekte zur Förderung der Gesundheitskompetenz bestimmter Zielgruppen unterstützt, wie z.B. die Integreat APP des Landratsamts, die Ausbildung von Gesundheitslotsen für Menschen mit Migrationshintergrund oder die Ausbildung von digitalen Gesundheitsbotschaftern für ältere Menschen.