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Neue Kunstwerke für Sitzungssaal im Landratsamt Ortenaukreis
Kooperationsprojekt der Badischen Malerfachschule mit der Lahrer Künstlerin Evgeniya Scherer

Sechs großformatige Drucke von Ölgemälden aus der Serie „Heimat-los“ der Lahrer Künstlerin Evgeniya Scherer schmücken seit kurzem den Großen Sitzungssaal des Landratsamts. Die Kunstdrucke entstanden in einem Projekt der Malerin Evgeniya Scherer mit der Badischen Malerfachschule des Ortenaukreises in Lahr (BaMaLa). Landrat Frank Scherer freut sich über das eindrucksvolle Projektergebnis: „Die bekannten Motive aus der Ortenau sind echte Hingucker und bringen bunte Farbtupfer in unsere Sitzungen und Veranstaltungen. Dafür danke ich ganz herzlich unserer BaMaLa und meiner Frau Evgeniya.“  

Die sechs zwei Mal einen Meter großen Drucke wurden von Schülerinnen und Schülern der Badischen Malerfachschule Lahr unter Anleitung von Fachlehrer David Glaser aus Aluverbundplatten angefertigt. Die sogenannten Diptychons, also zweiteilige zusammengehörige Gemälde, bestehen im Original aus sechs Ölgemälden der Serie „Heimat-los“. „Die Werke beschäftigen sich mit der Frage, was der Begriff Heimat für einen selbst bedeutet. Ist man heimatlos, wenn man sich zwei oder mehreren Kulturen zugehörig fühlt“, fragt die gebürtige Bulgarin Evgeniya Scherer, die in dieser Serie ihr Leben als Migrantin und ihre Suche nach Zugehörigkeit verarbeitete. „Ich habe drei Anhaltspunkte ausgesucht, die unseren Begriff für Heimat zumindest abstrakt definieren - der Staat oder unsere Festung, das Haus, in dem wir leben und unser Glaube“. Aus ihrer jetzigen Heimat Ortenau dienten ihr dafür als Motive die drei Wahrzeichen „Vogtsbauernhof“ („Mein Haus I und II“), die Klosterruine Allerheiligen („Mein Glaube I und II“) sowie das Schloss Ortenberg („Meine Festung I und II“).

Die surrealistische Darstellung der Bilder „Mein Haus I und II“ erinnert an ein Spiegelbild, ist aber keins. „Egal wie man die beiden Bilder dreht und wendet, man bekommt nie das zusammengehörige Haus ganz zu sehen. Damit problematisiere ich die Möglichkeit, beziehungsweise die Unmöglichkeit einer vollkommenen  Zugehörigkeit. Egal wo – da, wo man geboren ist oder da, wo man später lebt“, veranschaulicht die Künstlerin.

Bei „Festung I und II“ wiederholen sich zwei wesentlichen Formen: Das Eingangstor der Festung stehe symbolisch für das Kommen und Verlassen. Die drei Türme, die man bei bestimmter Betrachtung des Schlosses sehe, stünden für die drei Gewalten im Staat (Exekutive, Legislative und Judikative). Bei „Mein Glaube I und II“ lässt Scherer das Außen- und das Innere der Klosteranlage markant zusammenfließen. „Die Außenansicht steht für die Weltoffenheit, die Innenansicht für die Grenzen“, konkretisiert Scherer.  
Schulleiter Hans Peter Misiewicz und Fachlehrer David Glaser von der Badischen Malerfachschule freuen sich, dass „diese schönen Tafeln hier im Sitzungssaal ein farbenfrohes Signal setzen und die Badische Malerfachschule sich so den Sitzungsteilnehmern und Gästen immer wieder in Erinnerung rufen wird.“

„Für die Herstellung der Bildtafeln von Frau Scherer mussten wir ein Plattenmaterial finden, das gut zu beschichten und nicht zu schwer ist, damit die Bilder von der Decke des Sitzungssaals befestigt werden können“, informiert Glaser. Die „BaMaLa“-Experten entscheiden sich für Aluverbund, ein Material, das aus einem Kunststoffkern und Deckschichten aus Aluminium besteht. „Im zweiten Schritt wurden Fotografien der Bildserie datentechnisch für den Druck aufbereitet. Hier ging es vor allem um die realistische Darstellung der Originale“, erklärt Schulleiter Misiewicz. Nachdem Musterplatten ein detailgetreues Ergebnis lieferten, wurde die Druckdatenerstellung abgeschlossen und die Reproduktion auf selbstklebender Folie gedruckt. „Mit einem transparenten Laminat, das die Farben vor UV- Licht schützt, haben wir die Drucke veredelt. Im letzten Arbeitsschritt wurden die vorbereiteten Folien auf die Bildtafeln aufkaschiert“, so Glaser. Das eindrucksvolle Ergebnis hängt nun im Großen Sitzungssaal des Landratsamts in Offenburg.

Badische Malerfachschule

Die Badische Malerfachschule mit Bundesfachschule für Werbetechnik unter Trägerschaft des Ortenaukreises ist die einzige Schule in Baden-Württemberg für den Ausbildungsberuf des Schilder- und Lichtreklameherstellers und gilt bundesweit als Kompetenzzentrum für Farbtechnik und Raumgestaltung. Als schulischer Partner für die Duale Berufsausbildung kommen zukünftige Maler und Lackierer der Ortenau nach Lahr, das Einzugsgebiet für die angehenden Fahrzeuglackierer ist der ganze  Regierungsbezirk Freiburg und die Auszubildenden im Handwerk der Schilder- und Lichtreklamehersteller aus ganz Baden-Württemberg, Niedersachsen und Teilen von Rheinland-Pfalz besuchen die Berufsschule an der Badischen Malerfachschule in Lahr. Als bundesweit einzige öffentliche Meisterschule für Schilder- und Lichtreklamehersteller ist die Badische Malerfachschule weithin bekannt. Angehende Meister dieses Handwerks aus dem ganzen Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland bereiten sich an der BaMaLa auf ihre Meisterprüfung vor.

Schilder- und Lichtreklamehersteller

Die Vielfältigkeit dieses Berufsfeldes umfasst neben dem Entwurf auch die Produktion sowie die Montage von Schildern, Fahrzeugbeschriftungen sowie Werbe- und Kommunikationsanlagen. Um dieses breitgefächerte Arbeitsfeld der Werbetechnik abbilden zu können, wartet die Badische Malerfachschule mit einer entsprechenden digitalen Infrastruktur sowie einem großzügigen Maschinenpark auf.

Weitere Informationen: www.bamala.de.

Zur Person:
Aufgewachsen ist Evgeniya Scherer in Sofia/Bulgarien. Sie besuchte dort das deutsche Gymnasium und studierte in Sofia und Hamburg Rechtswissenschaften. Nach ihrem Magisterstudium in Medienrecht, promovierte sie in Hamburg und arbeitete als Medienrechtlerin für das bulgarische Kultusministerium. Seit 2009 lebt sie in Südbaden, seit 2015 mit ihrer Familie in Lahr. Dort studierte sie an der Akademie für bildende Kunst und arbeitet seit ihrem Abschluss als Künstlerin und Designerin. Anfang 2020 präsentierte sie mit großem Erfolg ihre Solo-Ausstellung „Macht-los. Grenzen-los. Spur-los. Gefühl-los. Zeit-los. Sinn-los. Heimat-los.“ zusammen mit der Performance ihrer ersten Modekollektion im Europa-Park, kurz darauf folgte Anfang März die zweite im Freiburger E-Werk. Sie ist Gründerin des nachhaltigen Labels „Die Mode bist Du“. Mehr Infos und Fotos unter www.evgeniya-scherer.de.