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Ortenaukreis setzt auf Amok- und Gewaltprävention an Kreisschulen

Um angesichts zunehmender Amok- und Gewaltdrohungen an Schulen auch die Sicherheit der rund 13.000 Schülerinnen und Schüler sowie über 1.000 Lehrkräfte und Bediensteten an den Beruflichen Schulen und Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren zu gewährleisten, setzt der Ortenaukreis künftig auf ein Bündel an Präventionsmaßnahmen. Das hat der Kultur- und Bildungsausschuss des Kreistags in seiner Sitzung am Donnerstag einstimmig beschlossen. So sollen das Einheitliche Orientierungssystem (EOA), das Einsatz- und Rettungskräften hilft, sich vor Ort schnell zu orientieren, Anti-Amok-Knaufzylinder für Klassenräume, Warnmeldungen durch Sprechanlagen und Sichtschutze für mehr Sicherheit an den Kreisschulen sorgen.

„Das Wohlbefinden, die Gesundheit und Sicherheit unserer Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte und Bediensteten an unseren Kreisschulen haben oberste Priorität“, erklärte Bernhard Kohler, Leiter des Amts für Schule und Kultur. Während in der Vergangenheit insbesondere der Brandschutz in den Schulgebäuden im Vordergrund gestanden habe, sehe sich der Kreis als Schulträger zunehmend in der Verantwortung, die Schulen auf unterschiedlichste Gefahrensituationen vorzubereiten. Vor dem Hintergrund der bundesweiten Zunahme von Gewaltvorfällen wie Amokläufen, Bombendrohungen oder Geiselnahmen sei es neben baulichen Maßnahmen auch wichtig, allen Beteiligten das Rüstzeug mitzugeben, um Gefahrensituationen richtig einzuschätzen und bewältigen zu können.
Ergänzend zu den präventiven und schulorganisatorischen Maßnahmen, die bereits in Form pädagogischer Angebote in das Schulleben integriert sind, rücken nun auch bautechnische Sicherungsmöglichkeiten in den Vordergrund. Mit Unterstützung des Polizeipräsidiums Offenburg, Bereich Prävention, hat der Ortenaukreis exemplarisch an drei Offenburger Schulen den jeweiligen Ist-Zustand aufgenommen, bewertet und entsprechende Maßnahmen erarbeitet.

So soll das vom Innenministerium Baden-Württemberg empfohlene EOS die Orientierung von Einsatzkräften erleichtern, indem alle Gebäudeteile und Räume farblich sowie numerisch gekennzeichnet und an sämtlichen Eingängen, Fluren und Treppenhäusern Hinweise angebracht werden. Das vom Ortenaukreis bereits seit mehreren Jahren im Zuge von Sanierungs- und Neubaumaßnahmen umgesetzte System soll nun auch an den weiteren Kreisschulen realisiert werden.
Zudem sollen mit Anti-Amok-Knaufzylindern Klassenräume, Sekretariate und Lehrerzimmer bei Amoklagen von innen auch ohne Schlüssel verriegelt und so das Eindringen von Tätern verhindert werden können.
Da unterschiedliche Gefahrensituationen völlig unterschiedliches Verhalten erfordern, will der Kreis darüber hinaus Sprachalarmierungssysteme anstelle akustischer Signale einrichten.
Nicht zuletzt soll die direkte Sicht in Klassenzimmer und Schüleraufenthaltsräume durch die Installation von Sichtschutz vermieden werden, sodass ein möglicher Täter nicht erkennen kann, ob und wo sich Personen in den Räumen aufhalten.

Wichtig sei es, den unterschiedlichen Schultypen und Schularten der kreiseigenen Schulen und den Besonderheiten der jeweiligen Schulgebäude Rechnung zu tragen und die Maßnahmen individuell zum bestmöglichen Schutz anzupassen, so Kohler. Eine entsprechende Gesamtkonzeption einschließlich der zu erwartenden finanziellen Auswirkungen soll dem Kultur- und Bildungsausschuss in seiner nächsten Sitzung vorgelegt werden. Im Doppelhaushalt 2019/2020 sind insgesamt 1,5 Millionen Euro für Sicherheitsmaßahmen an Schulen vorgesehen.