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Landratsamt seit mehr als drei Monaten im Krisenmodus

Am 6. März 2020 wurden die ersten Infektionen mit dem Covid-19-Virus im Ortenaukreis bekannt – seitdem sind 1228 Menschen im Kreis an Corona erkrankt, 122 von ihnen verstarben, 1079 gelten als genesen (Stand 4.6.2020, 14 Uhr). Schon im Februar hat Landrat Frank Scherer mit Blick auf die Entwicklungen in Europa und in den benachbarten Regionen den Koordinierungsstab Kommunikation, kurz „KoKo Corona“, einberufen. Unter Führung des Krisenstabs und in enger Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium sowie den Städten und Gemeinden im Landkreis ist es im bisherigen Verlauf der Pandemie gelungen, die Bürgerinnen und Bürger im Ortenaukreis vor einer weitreichenderen Ausbreitung des Virus zu schützen.

Aufgaben eines Krisenstabs
„Der KoKo wird eingesetzt, wenn ein außergewöhnliches Ereignis mit hohem Potential an Personen- oder Sachschäden oder Medieninteresse droht – oder bereits eingetreten ist“, erklärt Stabsleiter Reinhard Kirr, dem als Dezernent für Sicherheit, Ordnung und Gesundheit im Ortenaukreis diese Schlüsselfunktion im Falle einer Krise zukommt. „Ziel ist es, die Aufgaben der am meisten betroffenen Arbeitsbereiche inner- und außerhalb des Landratsamts so früh, so effizient und so effektiv wie möglich aufeinander abzustimmen“, so Kirr weiter. Je nach Schadensereignis, d.h. ob es sich beispielsweise um eine Naturkatastrophe, einen Großbrand oder einen Anschlag handelt, kommen verschiedene Akteure zum Einsatz. So ist im konkreten Fall der Pandemie neben Landrat Frank Scherer als Behördenleiter und dessen Stellvertreter, Erster Landesbeamter Nikolas Stoermer, besonders die Leiterin des Gesundheitsamts, Evelyn Bressau, gefragt. Hinzu kommen die hausinternen Fachleute für organisatorische Fragestellungen, für die Kommunikation und die Dokumentation sowie für Themen der Sicherheit und Ordnung und des Bevölkerungsschutzes; je nach Lageentwicklung werden weitere Fachämter miteingebunden. Wichtige Partner und Akteure im Rahmen der Corona-Pandemie sind das kreiseigene Ortenau Klinikum mit Geschäftsführer Christian Keller sowie die Kassenärztliche Vereinigung mit Doris Reinhardt. Als externe Fachberater sind zudem die Landes- und Bundespolizei sowie der Rettungsdienst regelmäßig an Bord.

Vielfältige Themen des „KoKo Corona“
„Insgesamt sind wir im Krisenstab bisher rund 50 Mal zusammengekommen, zeitweise täglich, auch am Wochenende, zunächst noch vor Ort, später im Rahmen von Videokonferenzen“, erläutert Kirr. „Hier tauschen sich die Verantwortlichen über den aktuellen Stand der Lage, maßgebliche Probleme, eingeleitete Maßnahmen und erledigte Aufgaben aus. Auf Basis dieser Informationen werden Entscheidungen getroffen sowie weitere Aufgaben priorisiert und verteilt.“ Neben den Entwicklungen der Neuinfektionen, den Kontaktpersonenermittlungen durch das Gesundheitsamt, den Testungen in Drive-in-Stationen bzw. durch die Hausärzte, der Beschaffung und Verteilung von Schutzausrüstung und dem Aufbau von Intensiv- und Beatmungsplätzen im Klinikum seien etwa Empfehlungen an die Gemeinden, der Umgang mit Grenzpendlern sowie Hygienekonzepte für Kliniken und Pflegeheime oder die Einrichtung von Ausweichquartieren auf der Tagesordnung. Weiterhin wurden Einheiten des Bevölkerungsschutzes zur Einrichtung von Patienteninformationsstellen an den Standorten des Ortenau Klinikums oder zur Unterstützung der Bundespolizei bei Grenzkontrollen koordiniert. Auch hausinterne Maßnahmen zur Sicherung des Betriebs des Landratsamts werden im Krisenstab besprochen.

Dokumentation und Information als wichtige Säulen des Krisenmanagements
„Damit die Entscheidungsträger bei der Fülle an sich permanent ändernden Informationen einen guten Überblick behalten, laufen diese im Stabsbereich ‚Lage und Dokumentation‘ zusammen, der nicht nur die Sitzungen protokolliert, sondern auch einen fortlaufenden Lagebericht verfasst“, erläutert Kreisbrandmeister Bernhard Frei, der im Krisenfall gemeinsam mit Ansgar Jäger, im „Normalmodus“ Leiter des Amt für Vermessung und Flurneuordnung, für diesen Bereich verantwortlich ist.

„Um die Bevölkerung bestmöglich über die aktuelle Lage, eingeleitete Maßnahmen, Verhaltensregeln und wichtige Ansprechpartner, aber auch über die Dienst- und Serviceleistungen des Landratsamts zu informieren, haben wir in den letzten Wochen rund 150 Pressemitteilungen zu diesem Thema veröffentlicht, über 350 Presseanfragen beantwortet und 80 Beiträge auf Facebook gepostet“, fasst Pressesprecher Kai Hockenjos zusammen. Hinzu kamen mehrere Pressekonferenzen, die zum Teil live gestreamt wurden und über 250.000 Menschen erreichten, sowie Videobeiträge und Interviews des Landrats. Weitere Informationen rund um das Thema Corona erhielten Bürger auf der Corona-Sonder-Seite im Internet (www.ortenaukreis.de/corona), von dem wegen der Pandemie früher als geplant in Betrieb genommenen Chatbot „ORTENA“ und beim Bürgertelefon des Gesundheitsamts, das zu Hochzeiten Anfang März bis zu 7.000 Anrufe pro Tag zählte. Bei Alltags- und familiären Problemen und zu den Themen Kinderbetreuung, Homeschooling und Homeoffice stand die Ende März eingerichtete psychologische Hotline bereits in 150 Fällen zur Verfügung.

Viele Ressorts involviert, Verwaltung weiterhin handlungsfähig
Neben dem inneren Krisenstab haben natürlich auch viele Mitarbeiter in den verschiedenen Fachämtern des Landratsamts in den letzten Monaten auf Hochtouren an der Eindämmung des Virus gearbeitet, allem voran im Gesundheitsamt. Auch viele unterstützende Abteilungen, wie beispielsweise die IT, welche die technischen Voraussetzungen für die Krisenbewältigung schafft, sind im Zuge der Krisenbewältigung anders und mehr gefragt, andere müssen trotz Krise handlungsfähig bleiben, um ihren staatlich gegebenen Aufgaben nachzukommen – angefangen vom Jugendschutz über die Verkehrssicherheit auf Straßen bis hin zur Zahlung von Sozialleistungen.

Landrat dankbar und zuversichtlich
„Obgleich wir eine Krise dieses Ausmaßes noch nie hatten, waren wir auf den Ernstfall vorbereitet und gut aufgestellt. Ich bin sehr froh, dass wir im bisherigen Verlauf eine schlimmere Ausbreitung des Infektionsgeschehen verhindern konnten – vor allem dank der Expertise, des unermüdlichen Einsatzes und des pragmatischen Miteinanders des Krisenstabs, der Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitsamt und im Ortenau Klinikum, aber auch in vielen anderen Bereichen inner- und außerhalb des Landratsamts“, betont Landrat Frank Scherer.
„Daher, aber auch wegen der vielen Ortenauerinnen und Ortenauer, die unsere Grundversorgung z.B. im Verkauf, Transport und in der Produktion aufrecht erhalten haben, wegen der flexibel reagierenden Unternehmerinnen und Unternehmer sowie der Eltern und Kinder, die unseren besonderen Respekt und große Anerkennung verdient haben, bin ich zuversichtlich, dass wir diese Krise gemeinsam und erfolgreich meistern werden“, so der Landrat weiter.


Hintergrundinformationen: Schutzausrüstung
Um nach der ersten Pandemiewelle auf eine mögliche zweite Welle vorbereitet zu sein, wurde durch das Landratsamt weltweit, aber gerade auch bei regionalen Anbietern, persönliche Schutzausrüstung (PSA) beschafft. Hinzu kommen Lieferungen des Landes, aus der Kooperation mit der Feuerwehr Offenburg und Spenden. In der Summe kamen so bisher fast vier Millionen FFP2-Masken, Mund-Nasen-Schutzmasken, Schutzkittel und -anzüge, Brillen und weitere Schutzkleidung zusammen. Damit werden insbesondere das Ortenau Klinikum, die Kassenärztliche Vereinigung, Alten- und Pflegeheime, ambulante Pflegedienste und Rettungsdienste neben weiteren Einrichtungen im medizinischen Bereich versorgt. Die Versorgung von weiteren Bereichen ist geplant.

Hintergrundinformation: Beratungs- und Informationsangebot des Landratsamts zum Thema Corona
Internet: Informationen zu den aktuellen Entwicklungen, die Fallzahlen sowie weitere Informationen und Ansprechpartner sind auf der Internetseite des Ortenaukreises unter www.ortenaukreis/corona bereitgestellt. Hier gibt auch der Chatbot „ORTENA“ Auskünfte rund um das Thema Corona.
Bürgertelefon Gesundheitsamt: Am Bürgertelefon des Gesundheitsamts unter 0781 805 9695 werden generelle Fragen rund Corona beantwortet. Wer Krankheitszeichen hat, ruft seine Hausarztpraxis bzw. am Wochenende den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 an.
Psychologische Beratung: An der Hotline Psychologische Beratung Corona unter der Nummer 07821 9157 2557 stehen Montag bis Freitag von 9 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr erfahrene Expertinnen und Experten der Psychologischen Beratungsstellen im Ortenaukreis für Gespräche und Informationen zur Verfügung. Auch sind sämtliche Beratungsstellen im Ortenaukreis weiterhin direkt telefonisch erreichbar. Je nach Bedarf und Fragestellung vermittelt die Hotline auch Anrufer an die passende Beratungsstelle.

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