Hilfsnavigation

  • Fachkräfte helfen Ihnen bei privaten wie beruflichen Fragen.
  • Tulpen
  • Kulinarische Ortenau.
  • Straßenmeister des Ortenaukreises bei der Arbeit.

»Wählerisch mit 4? Diät mit 9? Magersucht mit 12? - Fachtag des Ortenauer Präventionsnetzwerks zum Thema »Kinder stärken. Essstörungen vermeiden«

Großes Bild anzeigen
Ullrich Böttinger, Leiter des Präventionsnetzwerks Ortenaukreis, moderierte den Fachtag.

Ein Tag zum Thema „Kinder stärken. Essstörungen vermeiden“ des Präventionsnetzwerks Ortenaukreis (PNO) lockte vergangenen Dienstag rund 80 Fachkräfte aus Bildung, Jugendhilfe und Gesundheitswesen in die Hector Kinderakademie nach Kehl.

„Der Informationsbedarf zum Thema Ernährung und Vorbeugung von Essstörungen ist groß“, weiß Michaela Tisch, Präventionsbeauftragte der Region Kehl. Nach Angaben der KiGGS-Studie, einer Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts zur gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, zeigten etwa ein Fünftel der elf- bis 17-jährigen Kinder in Deutschland erste Anzeichen einer Essstörung. Diese Zahl und die Nachfrage von Fachkräften aus der Region Kehl veranlasste laut Tisch das Präventionsnetzwerk Ortenaukreis (PNO), sich mit Vorträgen und Workshops den Themen rund um Ernährung und Essprobleme im Kindesalter zu widmen.

Renate Lieberknecht, Diplom-Oecotrophologin und Mitarbeiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums in Frankfurt, machte deutlich, dass Essstörungen wie etwa Anorexie oder Bulimie zahlreiche Ursachen haben und erst während der Pubertät entstehen. Sie beruhigte: „Die meisten Essprobleme bei Kindern sind vorübergehend und die Kinder entwickeln sich völlig normal." Sie machte auch darauf aufmerksam, dass Kinder mit Übergewicht oder Adipositas häufig übersehen werden. „Aber leider werden aus übergewichtigen Kindern häufig übergewichtige Jugendliche oder Erwachsene. Und dann ist eine Behandlung viel schwieriger“, betonte Lieberknecht. Schon Kinder würden lernen, Gefühle durch Essen zu kompensieren oder äußern Hunger, obwohl es sich bei dem Gefühl auch um Wut oder Traurigkeit handeln kann. Sie empfiehlt Eltern, nicht mit „gesund“ zu argumentieren: „Für ein Kind ist das kein Argument, denn es wird ja nicht sofort krank, wenn es kein Gemüse isst. Ein Kind interessiert nur, ob das Essen lecker ist oder nicht. Es geht darum, gesunde Lebensmittel auf den Tisch zu bringen, nicht darüber zu reden, aber selber Vorbild zu sein und mit Genuss und Spaß zu essen."

Vegan, low-carb & Co. - einen Überblick über verschiedene Ernährungsformen gab Birgit Becke, Diplom-Oecotrophologin und Ernährungstherapeutin, und erklärte, wie diese zu einer gesunden Entwicklung beitragen oder auch nicht. „In erster Linie muss es um das Wohl der Kinder gehen“, betonte Becke. Sie ging auf die Aspekte einer „klugen“ Ernährung für Kinder ein. Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sei oberstes Ziel.

In vier Workshops widmeten sich die Teilnehmer den Themen „Gute Gefühle – aber bitte kalorienfrei“, „Zuckersüße Kinder – Umgang mit Süßem in der Kita“, „Vernetztes Arbeiten in der Beratung von Kindern und Familien mit Essstörungen“ sowie „Ernährung erleben in Kita und Schule“.

„Kitas und Schulen können themenübergreifende Aspekte des Fachtags wie etwa die Stärkung der Selbstregulation, das Beschreibenlernen von Gefühlen und den Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen in auf ihren Bedarf abgestimmten Fortbildungen vertiefen“, informierte Michaela Tisch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Angebote des PNO. Ullrich Böttinger, Leiter des Amts für Soziale und Psychologische Dienste beim Landratsamt Ortenaukreis und Leiter des PNO, äußerte sich sehr zufrieden: “Wir haben ein Thema aufgegriffen, das sowohl in den Kindertagesstätten und Schulen wie auch in den Familien immer größere Bedeutung gewinnt. Wichtig ist vor allem, das Thema früh und offen, aber auch mit den nötigen Hinweisen auf problematische Entwicklungen anzugehen und mit allen Beteiligten dazu ins Gespräch zu kommen. Das PNO bietet dazu ein sehr gutes und nachhaltiges Forum. Wir werden das Thema gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern weiter behandeln.“