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Erste Erkenntnisse der Behindertenbeauftragten des Ortenaukreises nach dem ersten halben Jahr

Mit Anita Diebold hat der Ortenaukreis seit dem 1. Februar 2016 erstmalig eine hauptamtliche kommunale Beauftragte für Menschen mit Behinderung. Die ersten Wochen waren geprägt vom Austausch und netzwerken, Anita Diebold diskutierte mit Kollegen anderer Landkreise, besuchte Tagungen und holte sich an unterschiedlichen Stellen Informationen ein, um Ideen und Anregungen zu bekommen, wie die Situation für die Menschen mit Behinderung im Ortenaukreis verbessert werden kann. Nach rund sechs Monaten im Amt zieht die studierte Pädagogin eine erste positive Bilanz.

„Meine Sprechstunden wurden sehr gut angenommen. Viele Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen und deren Angehörige haben sich in den ersten Wochen mit verschiedensten Anliegen an mich gewandt. So habe ich wertvolle Hinweise bekommen, wo es Verbesserungsbedarf gibt“, sagt Diebold. Häufig ging es dabei um passenden Wohnraum für Menschen mit Behinderung. „Die Lage am Wohnungsmarkt ist allgemein schon sehr angespannt. Umso schwieriger ist es für Menschen mit Behinderung, bezahlbaren barrierefreien Wohnraum zu finden“, weiß Diebold. Vor allem Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, hätten es schwer. Oft würden die Kosten für den Wohnraum die gesetzlichen Vorgaben übersteigen, gerade für Menschen mit Handicap, die Arbeitslosengeld oder Grundsicherung beziehen. „Die Frage nach dem angemessenen Wohnraum tauchte immer wieder auf““, so Diebold.

Beeinträchtigungen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) waren ein weiteres zentrales Thema, das an Anita Diebold verstärkt herangetragen wurde. „Manche Bürger beklagten, unzugängliche Bushaltestellen, fehlende Blindenleitlinien und schlecht ausgestattete Busse und Bahnen“, so Diebold. „In manchen Fahrzeugen gibt es noch immer keinen barrierefreien Zugang für Rollator- oder Rollstuhlfahrer. Fehlende optische und akustische Haltestellenanzeigen sind zusätzlich für Hör- und Sehgeschädigte große Hindernisse“, kritisiert die Behindertenbeauftragte. Oft seien Busse und Bahnen zwar entsprechend ausgerüstet, es fehle jedoch schlicht am Einsatz dieser Hilfen.

„Für den Ortenaukreis, die Städte und Gemeinden ist ein barrierefreier Nahverkehr eine große Aufgabe, da es sich meistens um kostenintensive Maßnahmen handelt. Zudem ist es eine Herausforderung, allen Behinderungsarten gerecht zu werden. Menschen mit einer Gehbehinderung stoßen auf andere Barrieren wie etwa Hör- oder Sehgeschädigte“, weiß Diebold.
Auch mit Problemlagen von Kindern und Erwachsenen mit Autismus oder mit einer psychischen oder geistigen Beeinträchtigung wurde die Behindertenbeauftragte konfrontiert. „Eltern und Angehörige beklagen, dass es oft ein langer Weg ist, die passende Unterstützung zu finden. Wurde dann ein passendes Angebot gefunden, kann die fehlende Beförderung die nächste Barriere sein“, so Diebold.

Im Ortenaukreis leben rund 40.000 Menschen mit Behinderungen, das sind fast 10 Prozent der Bevölkerung. „Eine Behinderung kann jeden treffen. Die große Mehrheit der Betroffenen erlangt die Behinderung erst im Laufe ihres Lebens. Inklusion geht deswegen uns alle an“, betont Diebold. „Angesichts der demographischen Entwicklung wird es immer mehr ältere Menschen geben, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind. Spätestens dann betrifft dieses Thema jeden von uns“, so die Behindertenbeauftragte. „Letztlich profitieren wir jedoch in jedem Alter von Barrierefreiheit. Menschen ohne Behinderung können diese als Komfort genießen, während Menschen mit Behinderung auf sie dringend angewiesen sind.“
„Wohnen, Mobilität, Arbeit, Sprache oder die Gestaltung des öffentlichen Raumes – Hürden finden sich in allen gesellschaftlichen Bereichen. Sie behindern eine gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe in unserer Gesellschaft“, verdeutlicht Diebold. „Hinzu kommt, dass Menschen ohne Behinderung für die Belange von Menschen mit Behinderung oft wenig sensibel sind. Dies liegt auch daran, dass Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft wenig sichtbar sind und die Menschen ohne Behinderung nicht viel über sie und ihre Barrieren wissen“.

Diese Grundproblematik bekommt die Behindertenbeauftragte immer wieder zu hören, wenn sie verschiedene Einrichtungen, Institutionen und Gremien im Ortenaukreis besucht. „Hier müssen wir ansetzen“, nennt Diebold einen Schwerpunkt ihrer Arbeit. „Erfreulicherweise gibt es in Offenburg, Lahr und Kehl bereits Gremien, die sich speziell für die Belange von Menschen mit Behinderung stark machen und die Entscheidungsträger auf bestehende Barrieren aufmerksam machen. In diesen Gremien sind auch Menschen mit Behinderung vertreten. Diese Experten in eigener Sache sind sehr wichtig, denn sie wissen am besten, was für sie hilfreich ist – und was nicht.“ Ein Gremium aufzubauen, das sich aus Betroffenen und deren Angehörigen zusammensetzt, ist das nun anstehende Projekt für die Behindertenbeauftragte. „Idealerweise sind dort dann Vertreter der verschiedenen Behinderungsarten sowie der einzelnen Regionen im Ortenaukreis vertreten“, so Diebold. „Barrieren abzubauen in allen Bereichen, das ist mein langfristiges Ziel“.

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