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Nachhaltiges Forstprojekt in der bulgarischen Partnerregion Vidin erfolgreich gestartet

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Ewald Elsäßer (l.) und Peter Schmiederer (2.v.r.) machten sich in den Gemeinden Chuprene und Belogradchik vor Ort ein Bild des Waldzustandes. Begleitet wurden sie von Mitarbeitern der Gemeinde Chuprene und der Übersetzerin Daniela Pintova (2.v.l.)

Die Partnerschaft des Ortenaukreises mit der bulgarischen Region Vidin wird intensiviert. Ende 2015 hat der Kreistag des Ortenaukreises mit der Einrichtung der Begleitkommission „Kreispartnerschaft Vidin“ dafür die Basis geschaffen. Die Begleitkommission, mit jeweils einem Mitglied pro Fraktion besetzt, definiert konkrete Projekte und unterstützt die Kreisverwaltung bei der Umsetzung. Die zukünftigen Schwerpunkte der Kreispartnerschaft umfasst die Bereiche Bildung, Vermarktung von regionalen Produkten, Tourismus und nachhaltige Land- und Forstwirtschaft.
Neben dem bereits 2013 von Landrat Frank Scherer initiierten Qualifizierungsprogramm „Ortenau-Vidin“, das Jugendliche aus Vidin in Praktikumsplätze in Ortenauer Unternehmen vermittelt, wurde nun im März ein neues gemeinsames Projekt zum Thema nachhaltiger Forstwirtschaft gestartet.
Mit Ewald Elsäßer, dem langjährigen Leiter des Amts für Waldwirtschaft im Ortenaukreis und Peter Schmiederer Leiter des forsttechnischen Stützpunktes Allerheiligen, sind zwei ausgewiesene Ortenauer Forstexperten nach Vidin gereist, um sich ein Bild des Waldzustandes in den Gemeinden Chuprene und Belogradchik zu machen. „Mit den bulgarischen Partnern vor Ort wurden notwendige Maßnahmen zur Beseitigung der Schäden und zur Wiederbewaldung der Schadflächen diskutiert. Momchil Stankov, Gouverneur der Region Vidin, sicherte die Unterstützung seiner Verwaltung bei der Projektumsetzung zu“, informiert Barbara Albermann, die im Landratsamt für die Kreispartnerschaft zuständig ist.
Das Forstprojekt ist Teil des zwischen dem Ortenaukreis und der Region Vidin beschlossenen Arbeitsprogramms der Gemischten Regierungskommission Baden-Württemberg-Bulgarien und wird vom Land Baden-Württemberg im Rahmen der EU-Strategie für den Donauraum gefördert. „Ich freue mich besonders darüber, dass das Land Baden-Württemberg ein kommunales deutsch-bulgarisches Kleinprojekt fördert, bei dem unser bulgarischer Partner unmittelbar vom umfassenden Know-how unserer Experten profitieren kann“, begrüßte Landrat Scherer die Förderzusage des Landes.
„Das Land Baden-Württemberg hat sich im Zusammenwirken zwischen Landesregierung und baden-württembergischen Projektträgern in der Europäischen Strategie für den Donauraum (EUSDR) in den letzten Jahren eine wichtige Stellung erarbeitet. Die EUSDR erlaubt es uns, den guten Austausch mit den Donauanrainern zum Wohle unseres Landes weiter zu intensivieren. Durch das Forstprojekt des Ortenaukreises mit den bulgarischen Partnern werden Schwerpunkte des baden-württembergischen Engagements in der EUSDR konkret umgesetzt. Die Projektverantwortlichen im Ortenaukreis gehen durch die Kombination einer nachhaltigen Beseitigung von Waldschäden und einer Weiterbildung des bulgarischen Waldpersonals mit gutem Beispiel voran“, betont Peter Friedrich, Baden-Württembergs Minister für den Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten.
Hintergrund des Projekts sind die teilweise verheerenden Eisbruchschäden aus dem Winter 2014/2015 in den Wäldern um Vidin, die aufgrund der kaum vorhandenen Infrastruktur und dem spärlich vorhandenen Fachpersonal nur schleppend beseitigt werden. „Hier ist nun die Hilfe der Ortenauer Forstexperten gefragt, die auf die Erfahrungen aus der Bewältigung der Schäden des Jahrhundertsturms Lothar im Dezember 1999 zurückgreifen können“, so Albermann.
Bei der abschließenden Konferenz in der Regionalverwaltung Vidin präsentierten Elsäßer und Schmiederer eine erste Einschätzung der beobachteten Schäden und diskutierten mit den Teilnehmern, Forstexperten des bulgarischen Ministeriums für Waldwirtschaft und Ernährung, Vertretern der Regionalverwaltung und den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden, über möglichst kurzfristig umzusetzende Maßnahmen.
„Jede Waldkatastrophe zeigt unerbittlich die strukturellen Nachteile auf“, sagte Ewald Elsäßer, der im Fehlen von Wegen und wenig ausgebildeten Waldarbeitern die größten Hürden bei der Aufarbeitung der Schäden und für eine langfristige nachhaltige Waldbewirtschaftung sieht. „Wir haben während unserer zweitägigen Waldvisite nur ganz wenige im Wald arbeitende Leute gesehen. Und wenn, dann haben diese mit völlig veralteter Technik und ohne Schutzkleidung gearbeitet“, so Elsäßer.
Als nächsten Projektschritt wird Elsäßer einen Sofortmaßnahmenkatalog zur nachhaltigen Beseitigung der festgestellten Waldschäden erstellen, der auch anderen bulgarischen Gemeinden mit ähnlichen Waldproblemen als Modell dienen kann. Dabei steht zunächst die Erschließung der geschädigten Waldbestände im Vordergrund.
Langfristiges Ziel ist die Gewinnung von ausgebildetem Personal für die Bewirtschaftung der Wälder in Vidin. Hier sieht Landrat Scherer große Chancen in einer Kooperation mit der Partnerregion zur Weiterbildung des Waldpersonals in einem der forsttechnischen Ausbildungsstützpunkte des Ortenaukreises.
Bereits im Juli steht das Thema Forstwirtschaft beim Besuch der Partnerregion Vidin in der Ortenau erneut auf dem Programm. Landrat Scherer hat Gouverneur Stankov mit seiner Delegation eingeladen, ein vom Sturm Lothar völlig zerstörtes und neu aufgeforstetes Waldgebiet zu besichtigen. Geführt wird die Waldbegehung von Ewald Elsäßer.
Die Region Vidin hat mit rund 85.000 Hektar annähernd dieselbe Waldfläche wie der Ortenaukreis (90.000 Hektar), die Waldverhältnisse sind aber nicht vergleichbar. In der Region Vidin dominieren Nieder- und Mittelwälder mit wenig Nadelholzanteil, während im Ortenaukreis Hochwälder mit deutlichem Nadelholzanteil vorherrschen.
Auch der jährliche Holzeinschlag liegt bei 1 bis 2 Festmetern pro Hektar deutlich unter dem des Ortenaukreises mit 8 bis 10 Festmetern.

Hintergrundinformation: Die EU-Strategie für den Donauraum (EUSDR) wurde am 24. Juni 2011 offiziell durch den Europäischen Rat verabschiedet. Diese makroregionale Strategie verfolgt das Ziel, die Zusammenarbeit der Donauländer zu stärken. Schwerpunkte sind die Bereiche Infrastruktur, Umweltschutz, die Schaffung von Wohlstand sowie gute Regierungsführung. Die Strategie umfasst neun EU-Mitgliedstaaten: Bulgarien, Deutschland, Kroatien, Österreich, die Tschechische Republik, Ungarn, Rumänien, die Slowakische Republik und Slowenien. Außerhalb der EU bezieht sie Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, die Republik Moldau und die Ukraine ein.
Der Ortenaukreis und die Region Vidin haben im April 2011 ein Partnerschaftsabkommen geschlossen. Die ländlich geprägte Region Vidin liegt im Nordwesten Bulgariens an der Donau und gilt als Eingangstor des Landes zu Europa. Die Region hat eine Fläche von 3022 Quadratkilometern und rund 114.000 Einwohner.

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