Ortenaukreis sieht dringenden Handlungsbedarf bei Wohn- und Betreuungsangeboten für Menschen mit Behinderung
Sozialausschuss befasst sich mit steigender Zahl von Menschen mit besonders hohem Unterstützungsbedarf
Die Zahl der Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung und sogenannten herausfordernden Verhaltensweisen nimmt auch im Ortenaukreis deutlich zu. Mit der aktuellen Versorgungssituation und möglichen Lösungsansätzen hat sich der Sozialausschuss des Ortenaukreises am Dienstag befasst.
Wie die Kreisverwaltung berichtete, stoßen Familien sowie ambulante und stationäre Einrichtungen zunehmend an ihre Grenzen. Besonders betroffen sind Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf, die intensive Betreuung und spezielle Wohn- und Betreuungsangebote benötigen. Dazu zählen beispielsweise Menschen mit Autismus, psychischen Störungen oder selbst- beziehungsweise fremdgefährdendem Verhalten.
Derzeit gibt es im Ortenaukreis keine spezialisierten Wohnangebote für diesen Personenkreis. Viele Betroffene müssen deshalb außerhalb des Kreises untergebracht werden. Aktuell leben bereits 16 Menschen mit entsprechendem Unterstützungsbedarf außerhalb des Ortenaukreises, gleichzeitig sucht das Teilhabemanagement des Amts für Soziales und Versorgung derzeit für mehr als 20 weitere Personen geeignete Plätze.
„Die derzeitige Situation ist für alle Beteiligten schwer tragbar“, sagt Sozialdezernent Heiko Faller. Mit Blick auf die steigende Zahl junger Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen und anderen seelischen Behinderungen sei davon auszugehen, dass sich die Lage in den kommenden Jahren weiter verschärfen werde.
Um langfristig Verbesserungen zu erreichen, hat der Ortenaukreis gemeinsam mit regionalen Leistungserbringern bereits einen Planungsprozess gestartet. Ziel ist es, im Kreis spezialisierte Wohnangebote sowie eine flächendeckende Tagesstruktur aufzubauen. Die Umsetzung gestaltet sich allerdings schwierig – unter anderem wegen des Fachkräftemangels, hoher Investitionskosten und fehlender geeigneter Standorte.
Die Verwaltung sucht deshalb inzwischen auch mit externen spezialisierten Leistungserbringern den Kontakt. Konkrete Projekte im Ortenaukreis könnten nach aktuellem Stand jedoch frühestens ab 2027 umgesetzt werden.
Ein erster Schritt ist dennoch bereits gelungen: Für den Raum Offenburg konnte mit einem regionalen Leistungserbringer ein Angebot mit sechs Plätzen zur Tagesstruktur vereinbart werden. Perspektivisch soll dieses Angebot ausgeweitet werden, um Familien im Ortenaukreis spürbar zu entlasten.
Der Ortenaukreis sieht sich gemeinsam mit den Leistungserbringern in der Verantwortung, eine personenzentrierte Versorgung sicherzustellen. Gleichzeitig fordert die Verwaltung auch landesweite Lösungen und langfristige Förderprogramme zum Ausbau intensiv betreuter Wohnangebote für Menschen mit besonders hohem Unterstützungsbedarf.Pressekonferenz: Landrat Thorsten Erny und Claudia Bauer-Rabe, Vorstandsvorsitzende des Ortenau Klinikums, warnen vor drohender Kostenexplosion.
Das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz könnte das Defizit des Ortenau Klinikums massiv verschärfen – trotz bereits laufender Reformen und Strukturabbau. Klar ist: Gesundheit darf nicht kaputtgespart werden.
Jetzt richtet sich der Ortenaukreis mit einem dringenden Appell an die Bundespolitik, um Nachbesserungen am Gesetz zu erreichen.