Wald und Wild im Einklang - Exkursion nach Schutterwald im Rahmen der Fachmesse »Forst live 2026«
Klimaanpassung gelingt, wenn Wald und Wild zusammen gedacht werden
Rund 20 Interessierte folgten einer rund dreistündigen Exkursion in den Gemeindewald Schutterwald, die im Rahmen der Fachmesse „Forst live“ vom Amt für Waldwirtschaft des Landratsamts Ortenaukreis angeboten wurde. Thema war, wie die Gemeinde ihre Ziele im Wald erreichen kann – auch mit Blick auf zunehmende Hitze und Trockenheit – und wie Jagd und Wald dabei zusammenspielen. Vom Landratsamt führten Therese Palm, Leiterin des Forstbezirks Offenburg, Markus Gutmann, Revierleiter der Gemeinde Schutterwald und Wildtierbeauftragter Maximilian Lang durch das Programm.
Mit einem Blick in die Vergangenheit führte Gutmann in das Thema ein: „Die Eiche ist eine Baumart mit jahrhundertelanger Tradition, die bis zum Zweiten Weltkrieg mit einem Anteil von rund 75 Prozent das Rückgrat unserer Wälder darstellte.“ Obwohl ihr Anteil seitdem über viele Jahrzehnte hinweg schleichend zurückgegangen sei, gelte sie heute als Baumart mit guten Chancen für die Zukunft. „Aufgrund ihrer hohen Vitalität und ihrer Verträglichkeit gegenüber zunehmender Wärme und Trockenheit ist ihre Förderung heute eine der wichtigsten Maßnahmen für die Entwicklung des Waldes bei sich veränderndem Klima.“ Nach Einschätzung der Fachleute wird die Eiche durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit besser mit den sich verschärfenden klimatischen Bedingungen zurechtkommen als viele andere Baumarten.
Nach dem Eschentriebsterben, das im vergangenen Jahrzehnt die Waldbewirtschaftung in Schutterwald maßgeblich geprägt hat, besteht heute die große Herausforderung darin, die Wälder in den kommenden Jahren so gut wie möglich an den Klimawandel anzupassen. Dafür setzen die Forstleute, neben der Eiche, auf eine möglichst große natürliche Baumartenvielfalt. Dazu kommen gezielt Baumarten, die als widerstandsfähig gelten.
Dabei funktioniert eine erfolgreiche natürliche Verjüngung vieler Baumarten nur, wenn Waldbesitzer, Jagd und Forst gut zusammenarbeiten. Die Teilnehmenden der Exkursion, größtenteils Waldbesitzer aus Deutschland, dem Elsass und Luxemburg, konnten vor Ort sehen, wie sich im Wald von Schutterwald die junge Eichen gemeinsam mit Ahornen, Hainbuchen und vielen anderen Baumarten natürlich verjüngen, sie also ohne Pflanzung von selbst nachwachsen. „Natürlich verjüngte Eichen im Wald sind aufgrund ihres ungestörten Wurzelwachstum deutlich vitaler und dadurch wuchsfreudiger als Pflanzen aus der Baumschule. Von den wesentlich geringeren betrieblichen Kosten ganz zu schweigen“, betont Gutmann und verweist auf den Nutzen dieses Vorgehens in Schutterwald: „Naturnaher Waldbau hat gerade im Klimawandel große Vorteile, im naturnahen Wald herrschen optimale Bedingungen für das gesamte Ökosystem. Bei angepassten Wildbeständen können wir für die nächste Waldgeneration aus dem Vollen schöpfen, was heute wichtiger ist denn je!“
Dass das Nachwachsen ohne Pflanzung klappt, funktioniert jedoch erst, seit die Gemeinde vor mehreren Jahren das Jagdsystem auf ihren Flächen neu organisiert hat. Seitdem richtet sich die Jagd an klaren Zielen aus: Junge Bäume sollen nachwachsen können, zugleich soll das Wild gesund bleiben. Die Gemeinde schaut regelmäßig nach, wie sich der Wald entwickelt. Wenn es nötig ist, passt sie das Vorgehen an.
„Im Ergebnis haben wir eine Win-Situation für alle Beteiligten!“, stellt Therese Palm fest. Die Ergebnisse sind im gesamten Gemeindewald sichtbar. Und die Bestände von Wildtieren wie Reh- und Dammwild haben in den vergangenen Jahren unter dem modernen Wildtiermanagement durch die vielfältigeren Lebensräume sogar noch zugenommen und sind vor allem deutlich vitaler als früher. Die Gewichte des Wildes sind inzwischen höher, Krankheiten treten selten auf und Unfälle an Straßen kommen nur noch sehr selten vor. Und das Wild kann stressfrei seinem natürlichen Fressrhythmus nachgehen.
Auch Wildtierbeauftragter Maximilian Lang zieht angesichts der Ergebnisse ein positives Resümee: „In puncto „Wald und Wild“ kann man alle Interessen unter einen Hut bringen, sofern der Grundeigentümer klar die Ziele vorgibt und alle Beteiligten vor Ort einen konstruktiven Dialog pflegen. Der Gemeindewald Schutterwald zeigt, dass dies sehr gut gelingen kann.“