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Vor Waldarbeiten: Amt für Waldwirtschaft siedelt Waldameisennest um

Umsiedlung schützt Art und ermöglicht Arbeiten am Weg

Mitarbeitende vom Amt für Waldwirtschaft des Landratsamts Ortenaukreis haben im Vorfeld einer Waldwegeverbreiterung im Forstrevier Seebach ein Nest mit Waldameisen an einen anderen Standort umgesetzt. Unter der Leitung von Ameisenspezialist Holger von Elling, der im Amt für Waldwirtschaft für den Bereich Waldnaturschutz zuständig ist, und Revierleiterin Helena Fink begann das Team bereits am frühen Morgen, den Ameisenhaufen Schicht für Schicht vorsichtig abzutragen und für den Transport in große Papiersäcke zwischenzulagern. So wurde gewährleistet, dass sich der Großteil des Volkes noch im Nest befand.

„Auf den ersten Blick wirkt ein Ameisenhügel vielleicht wie ein Haufen heruntergefallener Tannennadeln. Doch das ist weit gefehlt“, unterstreicht von Elling und erklärt, wie ein Waldameisennest aufgebaut ist. „Grundsätzlich besteht der typische Hügel aus einem Kuppelbau über einem unterirdischen Nestteil. Das gesamte Bauwerk kann bis zu zwei Meter in den Boden reichen, was den meisten Menschen überhaupt nicht bewusst ist. Das ist eine echte Meisterleistung dieser kleinen Waldbewohner.“

Das Nest wird meist um einen Baumstumpf herum errichtet, in dem ebenfalls Gänge angelegt werden. Um den Stumpf findet sich eine Schicht aus grobem Material, das viele Hohlräume bildet. Dieser Bereich wird von einer Deckschicht aus feinem Material, wie beispielsweise Fichten- und Kiefernnadeln, umgeben. Die Schicht bietet hauptsächlich Schutz vor Durchnässung und Abkühlung. Eine solide und ausgefeilte Konstruktion aus Zweigen, Tannen- oder Fichtennadeln, Kieselsteinen, Sand, Erde und anderen Materialien aus der Umgebung ermöglicht die Klimaregulierung innerhalb der Kolonie. Die Oberfläche eines Ameisenhügels sieht auf den ersten Blick ziemlich gleichförmig aus, tatsächlich ist sie aber überall mit kleinen Eingängen übersät, die die Ameisen öffnen und schließen können. Mit dem Wechsel der Jahreszeiten werden verschiedene Bereiche des Ameisenhügels genutzt, um das optimale Klima für Brut und Königinnen zu schaffen. Sobald es im Frühling wärmer wird, werden sie in die oberen Bereiche des Ameisenhügels gebracht; bei Trockenheit oder Kälte werden sie in die Feuchtigkeit und Wärme der unteren Kammern gebracht. Dort befinden sich mehrere Königinnen, die für den Nachwuchs des Volkes sorgen.

Von Elling, der in der Vergangenheit bereits Nester umgesiedelt hat, berichtet, dass er beim Abbau dieses Nestes insgesamt 17 Königinnen identifizieren und umsetzen konnte – eine ungewöhnlich hohe Zahl. Nachdem er den Baumstumpf im Grund des Nestes ausgegraben hatte, ging es an das Umsetzen: Er wurde an neuer Stelle wieder im Boden vergraben. Das vorher in Säcken gesammelte Nestmaterial wurde – inklusive seiner Bewohnerinnen – um ihn herum schichtweise sehr behutsam wieder aufgefüllt, um möglichst wenig Druck auf die Tiere auszuüben. Nachdem alles eingebaut war, wurde die Oberfläche sehr vorsichtig mit einem Rechen abgezogen. Zum Schluss überspannte der Ameisenspezialist das gesamte Nest locker mit einer Plane, um es im Fall eines Schlagregens vor Schäden zu schützen – die Ameisen brauchen etwas Zeit, um das Nest von außen wieder ausreichend wasserdicht zu bekommen.

Nötig wurde die ganze Aktion, weil hügelbauende Waldameisen – und damit auch ihre Bauten – mit Ausnahme einer Art grundsätzlich unter besonderem Artenschutz stehen. Ohne Umsiedlung wäre die geplante Verbreiterung des zugewachsenen Waldwegs an dieser Stelle deshalb nicht möglich gewesen.

Mit dem Ergebnis ist von Elling sehr zufrieden: „Trotz des Aufwands konnten wir beiden Seiten helfen: Die Privatwaldbesitzerin kann die Zufahrt verbreitern und ihre Maschinen wieder problemlos einsetzen, um eine Mähwiese in einem besonders geschützten europäischen Naturschutzgebiet zu bewirtschaften – und die Ameisen bleiben als wichtiger Teil einer intakten Natur erhalten. Nur an anderer Stelle.“

25.03.2026