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Neue Hilfe an Ampeln: System „LOC.id“ macht Querungen für blinde und sehbehinderte Menschen leichter

Smarte Technologie zur Verbesserung der Barrierefreiheit 

Der Ortenaukreis hat an neun Ampelanlagen ein neues Assistenzsystem in Betrieb genommen, das blinden und sehbehinderten Menschen den Weg zur Ampel und die sichere Querung erleichtert. Das System heißt „LOC.id“ und ergänzt die vorhandenen taktilen Leitelemente sowie die akustischen Signale an den Anlagen. Ziel ist mehr Selbstständigkeit im Alltag – ohne zusätzliche Belastung für Anwohnerinnen und Anwohner.

„Barrierefreiheit entscheidet darüber, ob Wege wirklich für alle funktionieren“, sagt Projektleiter Marcel Schiff vom Straßenbauamt des Ortenaukreises. „Mit ‚LOC.id‘ helfen wir dort, wo es im Alltag oft hakt: am Auffinden der Ampel und an der sicheren Orientierung im Umfeld.“

Das System arbeitet mit Bluetooth und nutzt das Smartphone als Sender. Dafür steht eine kostenfreie App für Android und für iOS zur Verfügung; alternativ kann ein eigenes Benutzergerät verwendet werden. „Nähert sich eine Nutzerin oder ein Nutzer einer entsprechend ausgerüsteten Ampel, erkennt das System den Sender automatisch und erhöht gezielt die Lautstärke der Orientierungssignale. Das Telefon kann dabei in der Tasche bleiben und muss nicht bedient werden“, so Schiff. Die bekannten akustischen Signale bleiben erhalten; die Grünphase wird weiterhin durch den gewohnten Freigabeton angezeigt. Das System erkennt Sender in einem Umkreis von bis zu einhundert Metern.

Ein wesentlicher Vorteil ist die bedarfsgerechte Lautstärkeregelung: Die Signale werden nur dann angehoben, wenn tatsächlich eine berechtigte Person in der Nähe ist. Danach geht die Lautstärke wieder auf das übliche Maß zurück. So wird das Auffinden der Ampelmasten erleichtert, zugleich bleibt die Geräuschbelastung für Anliegerinnen und Anlieger gering. „Viele Querungen sind nicht das Problem – das Problem ist, die Ampel im richtigen Moment überhaupt zu finden“, sagt die Behindertenbeauftragte des Ortenaukreises, Anita Diebold. „Wenn das Orientierungssignal bei Bedarf gezielt lauter wird, gibt das blinden und sehbehinderten Menschen spürbar mehr Sicherheit und macht Wege ohne Begleitung leichter.“


Stefan Rendler vom Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden betont den Nutzen aus der Praxis: „Akustische Signale und fühlbare Orientierung an der Ampel geben uns Sicherheit im Straßenverkehr. Wir finden den Mast besser, können die Querung besser einschätzen und sind seltener auf Hilfe angewiesen.“

Im Jahr 2025 wurden im Ortenaukreis folgende Standorte mit „LOC.id“ ausgestattet: die Fußgängersignalanlage an der Kreisstraße 5301 in Oberkirch bei der Mediathek, die Ampelanlagen an der Bundesstraße 3 in Offenburg am Freiburger Platz, an der Franz-Volk-Straße und an der Rheinstraße, die Fußgängersignalanlagen an der Bundesstraße 3 in Renchen, Önsbach und Fautenbach, die Ampelanlage an der Landesstraße 86 in Achern an der Kirchstraße sowie die Ampelanlage an der Bundesstraße 33 in Offenburg an der Straßburger Straße und Englerstraße.

Der Ortenaukreis baut die barrierefreie Ausstattung weiter aus. Für 2026 ist vorgesehen, zusätzliche Ampelanlagen in Achern, Appenweier, Offenburg-Windschläg, Hausach und Wolfach mit dem System auszustatten.

25.02.2026