Sprungziele
Hauptmenü
Inhalt
Datum: 16.11.2023

Entlastung für die Ortenauer Notfallversorgung - Gemeinsames Konzept zur Förderung der Gesundheitskompetenz

Ein Konzept entwickeln, um die Gesundheitskompetenz der Bürgerinnen und Bürger im Bereich der medizinischen Notfallversorgung zu fördern –  damit beauftragte der Sozialausschuss des Ortenaukreises die Kommunale Gesundheitskonferenz Ortenaukreis (KGK) in seiner Sitzung vom 17. Oktober 2023. Ziel ist es, Rettungsdienste, Notaufnahmen und sonstige Akteure der Notfallversorgung zu entlasten und Fehlnotrufe zu vermeiden.

Die Zustände in der akut- und notfallmedizinischen Versorgung sind prekär. „Die Ursachen hierfür sind vielfältig und komplex. Beispielsweise herrscht im ambulanten und stationären Bereich Fachkräftemangel, zudem ist das Gesundheitswesen für viele unübersichtlich aufgebaut, was immer wieder zu Notrufen oder Besuchen in der Notaufnahme führt, die nicht nötig gewesen wären“, erklärt Evelyn Bressau, Leiterin des Gesundheitsamts und der KGK. „Dies führt schon seit langem zu steigenden Fallzahlen im Rettungsdienstbereich. Aber auch unsere Kolleginnen und Kollegen in den Notaufnahmen stoßen dadurch zunehmend an ihre Belastungsgrenzen“, ergänzt Marcel Frauenschuh vom Deutschen Roten Kreuz.

Gemeinsam mit den Akteurinnen und Akteuren der regionalen Notfallversorgung erarbeitet die KGK daher bis Ende 2024 Handlungsempfehlungen, wie die Ortenauer Bevölkerung besser die eigenen Beschwerden einschätzen sowie die richtige Anlaufstelle im Notfall auswählen kann. „Hierbei spielt auch eine bessere Anbindung an die Hausärzteschaft eine zentrale Rolle. Wir müssen die Bürgerinnen und Bürger dafür sensibilisieren, dass die Ressourcen im Notfallsystem begrenzt sind und nur echten Notfällen vorbehalten sein sollten“, so Ulrich Geiger von der Kreisärzteschaft.

Zum Auftakt des Projektvorhabens wurde bereits ein Runder Tisch mit allen an der Notfallversorgung des Ortenaukreises beteiligten Akteuren ins Leben gerufen. Darunter sind Vertreterinnen und Vertreter der Notaufnahmen, der Rettungsdienste sowie der Kassenärztlichen Vereinigung. Aber auch Vertreter des Departments Notfallmedizin, der Kreisärzteschaft sowie der Notdienstapotheken bringen sich in den Runden Tisch mit ein. „Ziel unseres Projektes ist es, die Fehlinanspruchnahme des Systems zu reduzieren, um die Notaufnahmen des Ortenau Klinikums (OK) sowie die regionalen Rettungsdienste zu entlasten. Gleichzeitig soll der ärztliche Bereitschaftsdienst sowie die Rufnummer 116117 der Kassenärztlichen Vereinigung in der Bevölkerung bekannter gemacht werden“, so Bressau.

Bereits im Juni dieses Jahres war die KGK im Rahmen des Infomarkts für Gesundheitsthemen mit einem Stand zum Thema medizinische Notfallversorgung auf dem Offenburger Marktplatz vertreten. Gemeinsam mit den regionalen Akteurinnen und Akteuren der medizinischen Notfallversorgung versuchte die KGK anhand verschiedener Notfallszenarien darzustellen, in welcher Situation der ärztliche Notdienst (Tel.116117), der Rettungsdienst (Tel.112) oder die Notaufnahme aufzusuchen ist.

Auch Bernhard Gorißen, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme des Ortenau Klinikums Offenburg-Kehl begrüßt das Projektvorhaben der KGK sehr. „Wir sind dankbar, dass sich die KGK diesem relevanten Thema annimmt. Gleichzeitig müssen bei der Konzepterarbeitung auch strukturelle Rahmenbedingungen sowie die politischen Entwicklungen auf Bundesebene mitbedacht werden.“

Erst im September präsentierte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach seine Vorschläge zur Reformierung der Rettungsdienste und deren Finanzierung. Darüber hinaus sieht eine weitere Stellungnahme der Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung von Februar 2023 die Einführung sogenannter Integrierter Notfallzentren (INZ) sowie Integrierter Leitstellen (ILS) vor.