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Datum: 01.10.2026

Ehrenamtliche Sprachmittlung bleibt auch im KI-Zeitalter wichtig

1.788 Einsätze von Januar bis September – sechs Dolmetscherpools unterstützen Menschen im Ortenaukreis

Digitale Übersetzungshilfen sind heute schnell verfügbar. Wenn es bei einem Behördentermin, in der Arztpraxis, im Krankenhaus oder in der Schule aber nicht nur um einzelne Wörter, sondern auch um Verständnis, Vertrauen und kulturelle Zusammenhänge geht, bleibt persönliche Sprachmittlung besonders wertvoll. Das zeigt die hohe Nachfrage nach den sechs ehrenamtlichen Dolmetscherpools im Ortenaukreis: Von Januar bis September 2026 vermittelten sie rund 1.788 Einsätze in mehr als 50 Sprachen. Rund 370 ehrenamtliche Sprachmittlerinnen und Sprachmittler engagieren sich derzeit in den Pools.

„Digitale Übersetzung kann in vielen Alltagssituationen eine gute Hilfe sein. Bei wichtigen oder sensiblen Gesprächen kommt es aber oft auf mehr an als auf die reine Übertragung von Worten“, sagt Emilie Schleich, Integrationsbeauftragte des Ortenaukreises. „Unsere ehrenamtlichen Sprachmittlerinnen und Sprachmittler schaffen Verständnis, können kulturelle Zusammenhänge einordnen und geben Menschen Sicherheit in Situationen, die für sie häufig ohnehin mit vielen Fragen verbunden sind. Dieses Engagement ist für ein gutes Miteinander im Ortenaukreis von großem Wert.“

Die Ehrenamtlichen begleiten Menschen, die noch nicht ausreichend Deutsch sprechen, bei wichtigen Gesprächen und helfen dabei, sprachliche Barrieren und Missverständnisse zu überwinden. Dabei geht ihre Rolle über das reine Übersetzen hinaus.

„Das Besondere an der ehrenamtlichen Sprachmittlung ist, dass Menschen in einer für sie noch fremden Umgebung jemanden an ihrer Seite haben, der ihnen hilft, sich verständlich zu machen und ihr Gegenüber zu verstehen“, sagt Raya Gustafson, Integrationsbeauftragte der Stadt Kehl und Koordinatorin des dortigen Dolmetscherpools. Gerade bei Gesprächen in einer fremden Sprache könne eine persönliche Begleitung zudem Sicherheit geben und Hemmschwellen abbauen.

Auch kultureller Kontext kann für das gegenseitige Verständnis entscheidend sein. „Sprache ist weit mehr als die Übertragung einzelner Wörter. Sie transportiert kulturelle Werte, gesellschaftliche Vorstellungen und soziale Erwartungen“, sagt Christian Pfenning, Integrationsbeauftragter der Stadt Achern. Ehrenamtliche Sprachmittler könnten nachfragen, Missverständnisse erkennen oder das Gespräch bewusst verlangsamen, wenn dies nötig sei. Gerade in komplexen oder sensiblen Gesprächssituationen sei das ein wichtiger Unterschied zu einer rein technischen Übersetzung.

Das Engagement wirkt zugleich in eine weitere Richtung: Viele der Ehrenamtlichen haben selbst eine Migrationsgeschichte und finden über die Sprachmittlung einen Zugang zum bürgerschaftlichen Engagement. „Die Schulungen und die Erfahrung, mit den eigenen Sprachkenntnissen anderen Menschen helfen zu können, stärken die Ehrenamtlichen“, sagt Svenja Gerbendorf, Integrationsbeauftragte in Oberkirch. „Für viele ist die Tätigkeit im Dolmetscherpool ein erster Schritt in ein weitergehendes ehrenamtliches Engagement.“

Der Dolmetscherpool Ortenau ist ein Verbund von sechs Pools in Achern, Kehl, Lahr, Oberkirch, Offenburg und im Kinzigtal. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren arbeiten eng zusammen und bieten unter anderem gemeinsame Grundschulungen für neue Ehrenamtliche sowie Fortbildungen zu besonderen Einsatzbereichen wie dem Gesundheitswesen an.