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Datum: 01.07.2026

Die Wälder der Rheinebene grenzübergreifend im Blick

Amt für Waldwirtschaft belebt deutsch-französischen Försteraustausch im Forstbezirk Lahr wieder

Hitzeextreme, Dürre und große Infrastrukturprojekte stellen die Auwälder in der südlichen Ortenau vor große Herausforderungen. Neue Strategien, kluge Ideen und ein intensiver Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft sind deshalb wichtiger denn je. Der Blick über den eigenen forstlichen Tellerrand gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung.

Nach zweijähriger Pause fand deshalb der deutsch-französische Försteraustausch zwischen dem Forstbezirk Lahr und dem französischen Partnerforstamt in Sélestat erneut statt – erstmals unter den neuen Leitungen beider Dienststellen.

Jakob Franz, der den Forstbezirk Lahr im Januar 2025 übernommen hat, und sein französischer Amtskollege Christian Rozet, der ebenfalls erst vor Kurzem die Leitung des Forstamts Sélestat angetreten hat, waren sich einig, die bewährte Zusammenarbeit wieder aufleben zu lassen.

„Aus den Rückmeldungen der Kolleginnen und Kollegen wurde schnell deutlich, wie groß das Interesse an diesem Austausch ist“, erklärt Franz. „Gerade angesichts der vielfältigen Herausforderungen ist es wichtig, unterschiedliche Sichtweisen und Herangehensweisen kennenzulernen, um daraus tragfähige Strategien für die eigene Arbeit zu entwickeln.“

Dank der Unterstützung der Gemeinden Ringsheim und Schwanau konnten verschiedene Waldbilder vorgestellt werden, die exemplarisch zeigen, wie sich die Leistungsfähigkeit der Wälder in der Rheinebene trotz der verschärften Bedingungen des Klimawandels erhalten lässt.

Jasmin Ebernau, Revierleiterin im Gemeindewald Ringsheim, und Klaus Niehüser, Revierleiter im Gemeindewald Schwanau, präsentierten unterschiedliche Pflanzflächen und erläuterten, wie der Waldumbau aktiv vorangetrieben werden kann, um die finanziellen und personellen Ressourcen der waldbesitzenden Gemeinden möglichst effizient einzusetzen. Auf großes Interesse stieß bei den französischen Gästen insbesondere die Finanzierung solcher Maßnahmen über diversifizierte Einnahmequellen, beispielsweise durch die Inwertsetzung ökologischer Aufwertungsmaßnahmen.

Weitere Themen des Austauschs waren die Jagd sowie die Bewirtschaftung von Pappelbeständen. Am Nachmittag stellte Klaus Niehüser die Waldbewirtschaftung im Polder Elzmündung bei Nonnenweier vor. Diese muss an die ökologischen Flutungen agepasst werden und stellt besondere Anforderungen an die Bewirtschaftung.

Ein kulturhistorisches Highlight bildeten die sogenannten Kirchenlinien. Sie wurden im Zuge der Rheinbegradigung durch Johann Gottfried Tulla angelegt und dienten als Vermessungsgrundlage, um nach Rheinhochwassern die Gemeindegemarkungen wieder eindeutig bestimmen zu können. Die französischen Kolleginnen und Kollegen bestätigten, dass die entsprechenden Grenzsteine auf der elsässischen Rheinseite ebenfalls noch erhalten sind.

Gemeinsam vereinbarten die Teilnehmenden, die Kirchenlinien in den kommenden Jahren im Rahmen eines grenzüberschreitenden Projekts auf beiden Seiten des Rheins wieder sichtbar zu machen. Damit soll nicht nur ein prägendes Landschafts-element erhalten, sondern auch die langjährige Verbundenheit der Forstleute im gemeinsamen Lebensraum der Rheinauen sichtbar gemacht werden.

Zum Abschluss zogen alle Beteiligten ein positives Fazit. Christian Rozet hob neben dem grenzüberschreitenden insbesondere den generationenübergreifenden Charakter des Austauschs hervor. Neben zahlreichen pensionierten Forstleuten nahmen auch viele junge Kolleginnen und Kollegen teil. „Wir stehen auf beiden Seiten des Rheins vor denselben Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, die Erfahrungen der älteren Generation mit den Ideen der jungen Kolleginnen und Kollegen zusammenzubringen – über Ländergrenzen hinweg“, betonte Rozet.