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Offenburg, 27. August 2010 - Wer übt das Sorgerecht für ein Kind aus, wenn die Eltern nicht verheiratet sind? Dieser Frage müssen sich zunehmend mehr Menschen im Ortenaukreis stellen. Von den 3494 im Ortenaukreis geborenen Kindern, hat heute rund jedes vierte Kind Eltern ohne Trauschein. Deutlich mehr als noch vor 20 Jahren, damals war es lediglich jedes zehnte Kind. Für ein gemeinsames Sorgerecht entschieden sich im vergangenen Jahr im Ortenaukreis 70 Prozent aller unverheirateten Eltern, berichtet Ute Sutter, stellvertretende Leiterin des Jugendamtes im Landratsamt Ortenaukreis. Noch haben Mütter, die bei der Geburt ihres Kindes nicht verheiratet sind, nach dem geltenden Recht das alleinige Sorgerecht. Doch die gesetzlichen Vorgaben ändern sich und passen sich dem gesellschaftlichen Wertewandel an, berichtet Ute Sutter. Bereits seit 1998 können unverheiratete Eltern die elterliche Sorge ihres Kindes gemeinsam ausüben. Vorausgesetzt die Mutter stimmt zu. Dann müssen beide Eltern beim Jugendamt eine schriftliche Sorgeerklärung abgeben. Verweigerte die Mutter die Abgabe dieser Sorgeerklärung, konnte der Vater eines nichtehelichen Kindes dagegen bislang nichts unternehmen. Auch das hat sich jetzt geändert. Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes von Anfang August können diese Väter nun bis zur endgültigen gesetzlichen Neuregelung beim Familiengericht einen Antrag auf gemeinsame elterliche Sorge stellen. Vorraussetzung ist, dass die Vaterschaft anerkannt wurde und die gemeinsame elterliche Sorge dem Wohl des Kindes entspricht. Die Väter haben dann ein Recht auf Mitbestimmung, etwa über den Aufenthalt des Kindes, seine schulische und berufliche Ausbildung, die Religionszugehörigkeit und die Gesundheitsfürsorge. Sie können sich beispielsweise im Kindergarten oder in der Schule über die Entwicklung und die Leistungen ihrer Kinder informieren, Elternsprechstunden besuchen und dürfen vom Arzt Auskunft über den Gesundheitszustand ihres Kindes einholen. Eine gesetzliche Neuregelung, so die stellvertretende Leiterin des Jugendamtes, könnte zum Beispiel so aussehen, dass beiden Eltern auch nichtehelicher Kinder bereits mit der Geburt das gemeinsame Sorgerecht übertragen bekommen und die Mutter ein Vetorecht erhält. Im Zusammenhang mit der gemeinsamen elterlichen Sorge spiele der Begriff "zum Wohl des Kindes" eine wichtige Rolle, erläutert Sutter. Dieser juristische Begriff solle in der Praxis verdeutlichen, dass Kinder für ihre Entwicklung beide Elternteile brauchen, die im Alltag des Kindes präsent sind und Verantwortung übernehmen. Die gemeinsame elterliche Sorge zu vereinbaren, reiche allerdings nicht aus. Wichtig sei, sie im Alltag so zu gestalten, dass Kinder liebevolle Anteilnahme, Verlässlichkeit und einvernehmliche Absprachen bei weitreichenden Entscheidungen ihrer Eltern erleben. Soll die gemeinsame elterliche Sorge also funktionieren, müssen die Eltern in den Angelegenheiten ihres Kindes miteinander und nicht gegeneinander handeln. Fehlt die Zusammenarbeit der Eltern oder entstehen Konflikte, sind Sorgerechtsstreitigkeiten vorprogrammiert, unter denen die Kinder leiden. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Jugendamt bieten daher allen Eltern umfassende Beratung und Unterstützung zum Sorgerecht, zur Sorgeerklärung, zur Ausübung des Umgangsrechts sowie zur Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen an. Die Beratungen werden in großem und weiterhin steigendem Umfang in Anspruch genommen. "Mit der Ende 2010 zu erwartenden gesetzlichen Neuregelung, Vätern nichtehelicher Kinder ein umfassenderes Mitbestimmungsrecht einzuräumen, wird das Jugendamt voraussichtlich noch mehr Beratung leisten müssen", so Sutter. "Unser Ziel dabei ist immer, Elternkonflikte zum Wohl der Kinder einvernehmlich zu klären." Sind die Eltern trotz Beratung nicht in der Lage Regelungen im Konsens zu treffen, muss das Familiengericht entscheiden. Dies kann bis zur Ersetzung der Unterschrift eines Elternteils auf einem erforderlichen Antrag gehen. In der Praxis sind dies oft Verfahren, die für alle Beteiligten mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand verbunden sind.