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Offenburg, 19.10.2010 – Das Kreisarchiv im Landratsamt Ortenaukreis verwahrt seit 2008 den Briefnachlass von Richard Levi, einem ehemaligen jüdischen Bürger aus Friesenheim. Gestern hat der 83-Jährige, der seit 1939 in England lebt, persönlich zwei weitere Briefe dem Leiter des Kreisarchivs Dr. Cornelius Gorka überreicht. "Ich freue mich sehr über die Schenkung der Briefesammlung. Sie ist eine wichtige Quelle zum jüdischen Leben in Friesenheim und der Ortenau zur Zeit des Dritten Reiches. Die Briefe sind zudem interessante Zeugnisse vom Neuanfang jüdischer Emigranten in der Fremde", so der Kreisarchivar. Die ersten 98 Briefe hatte Levi dem Ortenaukreis schon 2008 geschenkt. Die Familie Levi wohnte in der Friesenheimer Hauptstraße 89. Nachdem die NS-Behörden jüdischen Kindern den Besuch einer normalen staatlichen Schule untersagt hatten, besuchte der junge Levi bis zum 10. November 1938 die Lessingschule in Freiburg. Als die Eltern erkannten, dass das Leben in Deutschland für Juden nicht mehr sicher war, schickten sie den Sohn im März 1939 mit einem Kindertransport nach England, wo er den Holocaust überlebte. Richard sollte seine Eltern nie wieder sehen. Sie wurden am 22. Oktober 1940 mit den anderen badischen Juden zunächst nach Gurs in Südfrankreich gebracht. Am 1. September 1942 schrieben sie den letzten Brief an ihren Sohn, bevor sie nach Auschwitz deportiert wurden. Dort kamen sie um. Die Briefe wollte Levi für die Nachwelt erhalten und nahm Kontakt mit der Geschichtswerkstatt Freiburg auf. Von da gelangten sie ins Offenburger Archiv. Heidi Beck-Braach und Rosita Dienst-Demuth von der Geschichtswerkstatt Freiburg haben anlässlich des 70. Jahrestages der Deportation der badischen Juden ein Buch mit dem Titel "98 Briefe ins englische Exil" geschrieben, das bei der Übergabe der beiden Briefe kurz vorgestellt wurde.