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Der demografische Wandel wirkt sich auch auf die Handlungsfelder der Kinder und Jugendhilfe aus. Welche demografischen Entwicklungen hat der Ortenaukreis zukünftig zu erwarten und mit welchen Herausforderungen wird die Kinder- und Jugendhilfe dadurch konfrontiert sein? Darüber referierte Dr. Ulrich Bürger vom Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg, ein auf diesem Gebiet anerkannter Experte, heute im Landratsamt Ortenaukreis in Offenburg.Nahezu 80 Gäste, Vertreter kommunaler und nicht-kommunaler Kindertageseinrichtungen, Bürgermeister, Kreisrätinnen und Kreisräte, Mitglieder des Jugendhilfeausschusses, Bildungsträger sowie Vertreter aus Verbänden der freien Wohlfahrtspflege, waren gekommen, um seine Thesen zu hören und anschließend darüber zu diskutieren.Bisherige Analysen zu Ausmaß und Folgen des demografischen Wandels beschäftigen sich vorrangig mit Aspekten aus dem Blickwinkel der älteren Generation. Dr. Bürger betrachtete den Wandel unter volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen Aspekten, wobei er die Perspektive von jungen Menschen und ihren Familien ins Zentrum rückte. Diese Betrachtungsweise berührt die wichtigsten Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe wie Familienbildung, Kinderbetreuung, Jugendarbeit und schulische Bildung. Die Kinder- und Jugendhilfe werde, so Dr. Bürger, künftig noch mehr leisten müssen, um Chancengerechtigkeit für Kinder aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Familien zu schaffen. Gleichzeitig werde sie den zu erwartenden Fachkräftemangel auffangen müssen.Da Kinder und Jugendliche dem Fachmann zufolge ein zunehmend knappes Gut in einer alternden Gesellschaft sind, fordert er, den Leistungen für Familie und Kinder einen besonderen Stellenwert einzuräumen. Der Ortenaukreis werde vom Bevölkerungsrückgang in der Altersgruppe der 0- bis unter 21-Jährigen spürbar betroffen sein, bei den 15- bis unter 21-Jährigen werde er bereits bis zum Jahr 2025 etwa 25 Prozent verlieren. Das Engagement für und die Investition in Kinder und Familien müssen laut Dr. Bürger daher um so höher sein, denn diese Bevölkerungsgruppe erlangt für die Zukunftssicherung des Gemeinwesens und der Gesellschaft eine große, bislang noch nie da gewesene Bedeutung.Vor diesem Hintergrund müsse sich für Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich verbessern. Dr. Bürger erklärt bedarfsgerechte Angebote in der Kinderbetreuung für unabdingbar. Zudem verlangt der Experte, dass alle jungen Menschen eine frühzeitige, umfassende und breite Förderung und Bildung insbesondere in der Schule erhalten. Investitionen in die Bildung erachtet er als dringend nötig. Andernfalls sieht er die Gefahr, morgen vor unzureichend gebildeten und nicht integrierten jungen Menschen zu stehen, die keine reelle Chance auf Teilhabe am Berufsleben haben. Auch die offene Kinder- und Jugendarbeit müsse ihre Angebote qualitativ und quantitativ am Bedarf ausrichten und noch attraktiver und effizienter werden, um die jungen Menschen in ihrer persönlichen und sozialen Entwicklung zu unterstützen. Nach einer Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über seine Thesen sagte Dr. Bürger abschließend: "Die Geschwindigkeit und die Ernsthaftigkeit, mit der dieser Sachverhalt zur Kenntnis genommen und in konkretes Handeln umgesetzt wird, entscheidet wesentlich über die Zukunftschancen der Städte und Gemeinden im Ortenaukreis. Wir sind im kritischen Jahrzehnt der Kinder- und Jugendhilfe angelangt. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, ist dies nicht wieder rückgängig zu machen."