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Der Landrat des Ortenaukreises Frank Scherer informierte am vergangenen Dienstag in der letzten öffentlichen Kreistagssitzung in diesem Jahr die Kreistagsmitglieder über den Stand des Ausweisungsverfahrens für einen potentiellen Nationalpark im Nordschwarzwald. Die Bundesländer seien nach dem Bundesnaturschutzgesetz ermächtigt, per Gesetz einen Nationalpark auszuweisen. Im Gesetzgebungsverfahren sei die Beteiligung betroffener Gemeinden und Landkreise nicht explizit vorgesehen. "Aufgrund der vielfältigen Betroffenheiten ist diese Beteiligung hier aber besonders wichtig. Deshalb begrüße ich ausdrücklich den von Landwirtschaftsminister Alexander Bonde gewählten Weg eines breiten Beteiligungsprozesses, in den die ganze Bevölkerung einbezogen wird", so Scherer. Dies gelte gerade auch für das zu erstellende Gutachten zu den Vor- und Nachteilen eines Nationalparks. Es werde sich mit den weit über 1.500 Fragen aus der Bevölkerung, den Verbänden, Kommunen und Fachverwaltungen befassen. Landkreise, Gemeinden und spezielle themenbezogene Arbeitskreise werden seine Erarbeitung intensiv begleiten. Das Gutachten werde die Hauptthemen Naturschutz, Waldbewirtschaftung, Tourismus und Regionalentwicklung behandeln.Dieses Gutachten werde der Lenkungskreis, ein Gremium aus Landräten, Regierungspräsidenten und Fachministerien, im Frühjahr 2012 vergeben. Mit der Fertigstellung und Vorlage des Gutachtens könne man zum Jahreswechsel 2012/2013 rechnen. "Erst danach werden wir einen umfassenden Erkenntnisstand für den politische Entscheidungsprozess über die Einrichtung eines Nationalparks haben. Ich plädiere deshalb dafür, die Ergebnisse des Gutachtens abzuwarten, damit wir dann sinnvoll, zielführend und breit angelegt diskutieren und die Ergebnisse bewerten können. Ich plane hierzu eine erneute Veranstaltung mit allen Interessenvertretern hier im Landratsamt, bevor wir in den Kreisgremien ein politisches Votum zur Einrichtung eines Nationalparks herbeiführen", gab Scherer einen Ausblick auf das weitere Verfahren.Der aktuelle sogenannte Suchraum für einen möglichen Nationalpark im Nordschwarzwald umfasst etwa 17.000 Hektar Staatswald mit den Gebieten "Kaltenbronn" (5.000 Hektar), "Hoher Ochsenkopf" (2.000 Hektar) und "Schliffkopf-Schönmünztal" (10.000 Hektar). Im gesamten Suchraum haben derzeit rund 30 Prozent der Flächen bereits einen Schutzstatus. Etwa 1.000 Hektar sind schon heute als Bannwald aus der forstlichen Nutzung genommen. Der Suchraum enthält weder landwirtschaftlich genutzte Flächen noch Siedlungsbereiche. Sollte eine Ausweisung auf der Mindestfläche von 10.000 Hektar erfolgen, ergäbe sich bis in etwa 30 Jahren eine Kernzone mit etwa 7.500 Hektar Waldfläche ohne jegliche forstliche Nutzung. Bis dahin sind in dieser sogenannten Entwicklungszone intensive forstliche Nutzungen notwendig, um die erwünschten Strukturen wie etwa die Reduzierung des Fichtenanteils zugunsten von Tanne und Buche zu schaffen.Der Ortenaukreis wäre voraussichtlich mit etwa 1.000 Hektar Staatswald auf den Gemarkungen Oppenau, Ottenhöfen und Seebach entlang der Schwarzwaldhochstraße, dem Karlsruher Grat und im Bereich Allerheiligen beteiligt. Die Flächen im Ortenaukreis sind bereits heute in einem naturschutzfachlich hochwertigen Zustand. Rund die Hälfte der Wälder sind als Naturschutzgebiete, Schonwald oder Natura 2000 Flächen ausgewiesen. Bei einem jährlichen Holzeinschlag von sechs bis acht Festmetern pro Hektar und einem Verzicht auf jegliche forstliche Nutzung in diesem Gebiet ergäben sich daraus in etwa 30 Jahren Netto-Mindereinnahmen beim Holzertrag zwischen 222.000 und 300.000 Euro pro Jahr. Die Flächen des Ortenaukreises würden jedoch nahezu vollständig in der Randzone des Nationalparks, der sogenannten Managementzone, liegen. In dieser sind dauerhaft forstliche Nutzungen möglich und zur Sicherung der Naturschutzziele sogar erwünscht. Hierzu zählt auch die Bekämpfung des Borkenkäfers, ein Thema, auf das Landrat Frank Scherer ebenfalls sein besonderes Augenmerk legen werde.