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Der Ortenaukreis will die Energiewende in Baden-Württemberg (10 Prozent des Energiebedarfs aus Windkraft) aktiv unterstützen und zugleich das einzigartige Landschaftsbild der Ortenau erhalten. Bei einer Pressekonferenz im Landratsamt Ortenaukreis in Offenburg stellten Landrat Frank Scherer und der Vorsitzende des Kreisverbandes des Gemeindetages, der Biberacher Bürgermeister Hans Peter Heizmann, heute erste überlegungen vor, wie die Kreisverwaltung und die Gemeinden den Ausbau der Windenergie in den kommenden Jahren aktiv gestalten wollen."Die politisch sinnvolle und alternativlose Energiewende darf nicht auf Kosten unserer Landschaft erfolgen. Ich bin überzeugt, dass wir das energiepolitische Ziel zum Ausbau der Windkraft erreichen können, ohne das einzigartige Landschaftsbild der Ortenau wesentlich zu beeinträchtigen. Eine Verschandelung der Landschaft kann ich weder rechtlich akzeptieren noch bin ich willens, dies politisch zu tun. Ich sehe es als meine Pflicht an, die Lebensqualität der Bevölkerung und die Chancen, die sich aus dem Kapital einer intakten Natur und einer unberührten Landschaft für unseren Tourismus eröffnen, zu wahren", betonte Scherer.Damit dies gelingt, hat das Landratsamt Ortenaukreis in enger Kooperation mit den Gemeinden im Kreis bereits seit Monaten umfangreiche Vorarbeiten in Angriff genommen. Dabei war die gemeinsame Zielsetzung von Landratsamt und Kommunen, eine abgestimmte Herangehensweise zu finden, damit potenzielle Standorte für Windkraftanlagen nicht im Windhundverfahren, sondern in interkommunaler Abstimmung definiert werden. Hier hat der Kreisverband des Gemeindetags eine vermittelnde Rolle eingenommen. "Wir erleben heute eine große und vorbildliche Bereitschaft von Nachbarkommunen, sich an einen Tisch zu setzen, um eine höchstmögliche übereinstimmung der gegenseitigen Interessenlagen zu finden. Die entscheidende überschrift bei diesen Gesprächen lautet: Gemeinsame Lasten, gemeinsamer Nutzen!" ist sich Bürgermeister Hans Peter Heizmann über die eingeschlagene Linie der Städte und Gemeinden sicher. Die Energiewende funktioniere nicht gegen die Planungen oder gegen den Willen der Gemeinden.Vorrangiges Ziel ist es, geeignete Standorte für Windkraftanlagen zu finden, die im Einklang mit Natur und Landschaft stehen und zugleich wirtschaftlich sinnvoll sind. Dazu hat das Landratsamt Ortenaukreis alle relevanten Informationen wie beispielsweise Vogel- und Landschaftsschutzgebieten, den Suchraum für einen möglichen Nationalpark, Bereichen in denen der Wind besonders stark bläst sowie die Planungen der Gemeinden zusammengetragen und auf einer Karte dargestellt. Nehme man aus dieser Brutto-Karte, so Scherer, die Flächen für Vogel- und Landschaftsschutzgebiete sowie den Suchraum für den Nationalpark, in denen also aus rechtlichen Gründen keine Windkraftnutzung möglich ist, würden in einer Netto-Karte die Standorte erkennbar, an denen die Nutzung der Windenergie ohne größere rechtliche Restriktionen denkbar ist. Ein besonderes Augenmerk hat der Kreis dabei auf die sogenannten windhöffigen Bereiche gelegt, also Standorte, an denen der Wind besonders stark bläst. Denn Scherer machte deutlich, dass ihm daran liege, nur besonders wirtschaftliche Standorte auszuweisen, damit der Eingriff in das Landschaftsbild gerechtfertigt sei. Dies beginnt frühestens bei einer Windgeschwindigkeit von mehr als 6 Metern pro Sekunde in 140 Meter Höhe. Eine erste vorläufige Auswertung der Netto-Karte ergab, dass etwa 45 große Anlagen (140 Meter Naben-Höhe) an 30 Standorte wirtschaftlich sinnvoll und mit Natur- und Landschaftsschutz vereinbar sind. Ein Schwerpunkt liegt dabei im südlichen Kreisgebiet, vor allem im Bereich des Kinzigtals. Bisher gibt es im Ortenaukreis 22 meist kleinere Windkraftanlagen.Eine wichtige Voraussetzung für die Ausweisung von Standorten sei die Aufstellung von Flächennutzungsplänen durch die Gemeinden, so Scherer. Nur so hätten der Kreis und die Städte und Gemeinden ausreichend Steuerungsmöglichkeiten, um dem Landschaftsschutz ausreichend Raum geben zu können. Der Ortenaukreis bringe sich deshalb frühzeitig ein, um den Gemeinden und den Unternehmen Planungs- und Investitionssicherheit zu geben. Er unterstütze diese fachlich etwa in Fragen des Baurechts, des Immissionsschutzrechts, des Umweltrechts sowie beim Fragen der Landwirtschaft, des Forstes und des Tourismus. Ab 2013 rechne das Landratsamt als Genehmigungsbehörde mit einer großen Zahl von Anträgen auf immissionsschutzrechtliche Genehmigungen. Scherer kritisierte in diesem Zusammenhang die Landespolitik, da die Landkreises für diese gravierende Ausweitung der Aufgaben keine Unterstützung erhielten, obwohl ein Großteil der Arbeit hier geleistet werde. Erfolgreich sei der Kreisverband mit seiner Resolution gewesen, die Novelle des Landesplanungsgesetzes um vier Monte auf Januar 2013 zu verschieben.