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Im Juli 2009 hat der Kreistag des Ortenaukreises die Einrichtung des von der Kreissozialverwaltung gemeinsam mit dem Steuerungsgremium Frühe Hilfen entwickelten Netzwerks "Frühe Hilfen im Ortenaukreis" beschlossen. Damit sollen Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern von 0 bis 3 Jahren sowie werdende Eltern möglichst früh beim Aufbau einer sicheren Eltern-Kind-Bindung und der Stärkung ihrer Beziehungs- und Erziehungskompetenzen unterstützt werden. Das präventive Angebot der Frühen Hilfen richtet sich generell an alle Eltern. Gleichzeitig sollen aber auch Eltern in belasteten Lebenssituationen erreicht werden, um frühzeitig die kindliche Entwicklung zu unterstützen und mögliche Gefährdungen von Kleinkindern zu vermeiden. Am 1. Januar 2012 trat das neue Bundeskinderschutzgesetz in Kraft. Es bringt Prävention und Intervention im Kinderschutz gleichermaßen voran und sieht erstmals auch gesetzlich die Einführung von Netzwerkstrukturen zur Einrichtung Früher Hilfen vor. Frühen Hilfen im Ortenaukreis"Der Ortenaukreis hat mit der frühestmöglichen Unterstützung von Kleinkindern und Familien in Form der Frühen Hilfen großen Weitblick bewiesen und dafür auch erhebliche finanzielle Mittel bereitgestellt", betonte Sozialdezernent Georg Benz gestern bei einem Bilanz-Pressegespräch im Landratsamt. Rund 800.000 Euro pro Jahr stellte die Kreisverwaltung für das von Beginn an als Teil der Regelversorgung eingestufte neue Angebot zur Verfügung. Davon entfallen rund 640.000 Euro auf die fünf dezentral an den Erziehungsberatungsstellen eingerichtete Fachstellen Frühen Hilfen mit eigenen Angeboten an Diagnostik, Beratung und Therapie und der Möglichkeit des Einsetzens zusätzlicher zugehender Hilfen, wie etwa Familienhebammen und Frühen Familienhilfen. Weitere 160.000 Euro entfallen auf die an der Kinderklinik im Ortenau Klinikum Offenburg neu eingerichtete Kinderschutzambulanz mit dem Angebot einer Babysprechzeit. "Die neuen Angebote haben sich hervorragend bewährt", bemerkte Benz und verdeutlichte, warum die Frühen Hilfen im Ortenaukreis inzwischen bundesweit als Konzept mit Modellcharakter angesehen werden. "Mit einem gut aufeinander abgestimmten Gesamtkonzept, einer kommunalen Finanzierung als Teil der Regelversorgung und mit den Fachstellen und der Babysprechzeit sind die Frühen Hilfen im Ortenaukreis optimal aufgestellt. Sie gewährleisten schnelle und unbürokratische Hilfe und stehen für einen gelungenen Versorgungsansatz", so Benz.1.200 Fälle präventiver Hilfe Von Beginn an wurden die Frühen Hilfen im Ortenaukreis vom Zentrum für Kinder und Jugendforschung im Forschungs- und Innovationsverbund FIVE e.V. an der Evangelischen Hochschule Freiburg unter der Leitung von Prof. Fröhlich-Gildhoff wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse dieser Evaluation (Dez. 2009 - Juni 2012) präsentierten gestern Sozialdezernent Georg Benz, Ullrich Böttinger (Amtsleiter für Soziale und Psychologische Dienste im Landratsamt und Projektleiter Frühe Hilfen) und Carolin Eichin (wissenschaftliche Mitarbeiterin der Evaluationsstelle). "Die Bilanz ist durchweg positiv", zeigte sich Frühe-Hilfen-Projektleiter Böttinger mit den Ergebnissen sehr zufrieden. "Sie zeigen, dass wir durch unser passgenaues Hilfs- und Unterstützungsangebot erfolgreich mit Familien in Kontakt kommen, die bisher nicht - und vor allem nicht so früh - erreicht wurden. Das wichtige Ziel der frühzeitigen Prävention wurde damit erreicht." So wurden bisher in über 1.200 Fällen präventive Hilfen erbracht. Dabei habe sich die enge Kooperation zwischen den Fachstellen Frühe Hilfen und den Entbindungskliniken im Ortenaukreis als besonders wirkungsvoll herausgestellt, so Böttinger. "Rund 60 Prozent der Fälle werden bereits im ersten Lebensjahr erreicht, davon wiederum zwei Drittel in den ersten beiden Lebensmonaten. Dies belegt eindrücklich, dass Familien mit Säuglingen und Kleinkindern nun erheblich früher als bisher einen Zugang zu wirksamer Unterstützung haben. In einem Fünftel der Fälle entsteht der Kontakt mit den Eltern bereits während der Schwangerschaft."Evaluations-Ergebnisse Zur Erfassung von Wirkungen und Entwicklungen wurden über die gesamte Laufzeit anonymisierte fallspezifische Dokumentationsbögen der Evaluation von Fachkräften der Frühen Hilfen und Kooperationspartnern wie Kinderärzten und Beratungsstellen ausgefüllt. Zusätzlich wurden mit allen beteiligten Akteuren Interviews und Gruppendiskussionen geführt. Die Evaluation ermittelte dabei auch verschiedene Wirkfaktoren für die gelingenden Hilfs- und Unterstützungsleistungen: Dazu zählt die gute und schnelle Erreichbarkeit der Frühen Hilfen (Fachstellen und Babysprechstunde), der Blick auf die individuelle Lage und auf die Stärken der Familien, das breite und flexible Angebot von konkreten Hilfen und Unterstützungsleistungen, die Beteiligung der Eltern an der Zielfindung und im Hilfeprozess sowie die positive Beziehung zwischen den Fachkräften und den Familienmitgliedern. Auch beteiligte Eltern wurden zu ihren Erfahrungen mit den Frühen Hilfen befragt. "Die Eltern, die an der Befragung teilnahmen, äußerten, dass sie mit der erfahrenen Unterstützung sehr zufrieden sind und sich von der Hilfs- und Unterstützungsleistung der Fachkräfte weder kontrolliert noch kritisiert fühlten. Die Frühen Hilfen haben ihr vorgesehenes Konzept umgesetzt und ihre Ziele in allen wesentlichen Teilen erreicht", bilanzierte Eichin.Drei-Säulen-Konzept Frühe-Hilfen-Leiter Böttinger erläuterte das Erfolgsmodell am Beispiel des Drei-Säulen-Konzepts, auf dem das Modell beruhe: 1. Weiterentwicklung und Optimierung der Netzwerkstruktur zwischen Jugendhilfe und Gesundheitswesen 2. der Verbesserung der Früherkennung und der frühen Erreichbarkeit 3. geeignete und passgenaue Hilfen "Die drei Säulen können nicht unabhängig voneinander betrachtet werden", betonte Böttinger. "Ohne Früherkennung und frühe Erreichbarkeit können keine passgenauen Hilfen zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt werden. Umgekehrt bewirkt eine Früherkennung ohne geeignete Hilfen herzlich wenig." Im Ortenaukreis seien alle drei Säulen realisiert und sehr gut aufeinander abgestimmt.Akzeptanz und Inanspruchnahme der Frühen Hilfen im Ortenaukreis sind sehr hoch und seit Beginn kontinuierlich steigend. So hat die Evaluation auch festgestellt, dass durch die gute Inanspruchnahme mittlerweile Ressourcenprobleme deutlich werden. "Die vorhandenen Personalressourcen sind erschöpft, teilweise werden die Grenzen der Betreuungsmöglichkeiten deutlich überschritten", so Eichin. Dieser Umstand bereitet auch Böttinger und Benz Sorgen. "Die Frühen Hilfen haben eine große und dringliche Versorgungslücke geschlossen. Um die erfolgreiche Prävention von Anfang an im erforderlichen Umfang und der erforderlichen Qualität aufrecht erhalten zu können, müssen wir die Ressourcen insbesondere in den Verdichtungsräumen Offenburg und Lahr anpassen", unterstrich der Sozialdezernent. Darüber hinaus sehen die Evaluatoren und die Verantwortlichen im Ortenaukreis noch Potential im Ausbau des Kooperationsnetzwerkes mit niedergelassenen Fachärzten und Psychotherapeuten.