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„Suche: Kinderzimmer mit Vollpension in Familien-WG mit netten Eltern.“ – So oder ähnlich könnte eine Anzeige aussehen, mit der ein Kind ein neues Zuhause sucht. Insgesamt leben im Ortenaukreis derzeit 325 Kinder und Jugendliche in 270 Pflegefamilien. Und eine „Familien-Such-Anzeige“ konnten sich diese Pflegekinder sogar sparen: Denn das Jugendamt im Landratsamt Ortenaukreis vermittelt. Es ist ständig auf der Suche nach Familien, die ein Kind mit offenen Armen empfangen – ihm Geborgenheit und ein neues Zuhause geben.

„Pflegeeltern sind Wahl-Eltern, die einem Kind oder Jugendlichen eine neue Chance im Leben geben“, sagt Andreas Linse, stellvertretender Leiter des Jugendamts. Wer sich für ein Pflegekind entscheide, habe einen neuen 24-Stunden-Job. „Da kommt entweder ein Kind oder ein Jugendlicher, beide jedoch suchen ein sicheres Zuhause. Und sie brauchen Zeit, Zuwendung und Zuneigung“, so Andreas Linse. Dabei gehe es oft nur um „Geborgenheit auf Zeit“. Denn Pflegekinder sind keine Adoptivkinder. Pflegeeltern müssten lieben und danach auch wieder loslassen können.

Viele Kinder und Jugendliche kommen lediglich vorübergehend in eine Pflegefamilie – und zwar dann, wenn Zuhause die Welt auf dem Kopf steht und die leiblichen Eltern mit ihren Belastungen im Alltag nicht mehr fertig werden. Eheprobleme, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Suchtprobleme und Gewalt in der Familie können Gründe sein, warum das Jugendamt sich entschließt, eine Pflegefamilie für Kinder zu suchen.

Die Pflegeeltern helfen, einen Heimaufenthalt zu vermeiden. Ob sie für ein Pflegekind in Frage kommen, entscheidet das Jugendamt. Und dessen „Pflegefamilien-Check“ ist gründlich: „Wir suchen einen „Platz mit Wärme“. Die Pflegeeltern müssen Zeit, Geduld, Belastbarkeit, Offenheit, Toleranz und auch Erfahrung in der Erziehung mitbringen. Ein Pflegekind aufzunehmen ist eine schöne Aufgabe, aber auch eine riesige Herausforderung. Es muss versorgt, betreut, beschützt und gefördert werden“, so Andreas Linse. Dabei sei immer der Blickwinkel des Kindes wichtig. Deshalb begleite das Jugendamt das Kind auch in der Pflegefamilie.

Das Jugendamt im Ortenaukreis überlässt nichts dem Zufall. In Seminaren werden die Pflegeeltern zunächst auf ihre Aufgaben vorbereitet. „Wir geben Tipps für den Alltag, pädagogische Ratschläge, rechtliche Hinweise und Hilfestellungen beim Umgang mit den leiblichen Eltern“, so Pflegestellenkoordinator Markus Gertis. Wenn das Pflegekind dann da ist, plant der Kommunale Soziale Dienst sorgfältig die Hilfe und berät die Beteiligten. Einzelcoaching und Erfahrungsaustausch in Gruppen bieten ergänzende Unterstützung.

Wirtschaftlich muss die Pflegefamilie auf festen Beinen stehen. Schließlich kosten auch Pflegekinder Geld. Mit dem Pflegegeld kommt das Jugendamt für den Unterhalt des Kindes auf und einen Anerkennungsbeitrag für die Erziehungsleistung gibt es obendrauf. Als Job, um die Familienkasse aufzubessern, kann man ein Pflegeverhältnis dennoch nicht ansehen. „Das Engagement für das Kind geht übers Herz und ist immer auch ein Ehrenamt“ betont Markus Gertis.

Pflegefamilien werden stets gesucht. Jedem Kind oder jedem Jugendlichen gibt eine geeignete Pflegefamilie die Hoffnung, eine neue Chance im Leben zu bekommen. Pflegefamilien können Familien mit Kindern, Alleinstehende, Patchworkfamilien oder gleichgeschlechtliche Paare sein. Auch Großeltern kommen laut Gertis in Frage. Wer Interesse daran hat, einem Kind oder Jugendlichen ein Zuhause zu geben, der bekommt beim Jugendamt Ortenaukreis unter der Telefon-Nummer 0781 805 1373 weitere Informationen.