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„Lehrerin“, „Fotograf“, „Bäcker“ oder „Erzieherin“ - wird man gefragt, wer man sei, so wird meist gleich nach dem Namen der jeweilige Beruf genannt. Menschen definieren sich über ihre Beschäftigung. Wir sind, was wir arbeiten. Das gilt für viele Deutsche. „Auch Menschen mit Behinderungen brauchen dieses Gefühl, wichtig zu sein. Deshalb gehört zu den Hilfen, auf die sie Anspruch haben, auch berufliche Teilhabe“, sagt Georg Eichner, stellvertretender Geschäftsführer der -Gesellschaft zur Förderung psychisch Kranker (Reha Offenburg). „Dies gelingt bei Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung, die häufig aus dem allgemeinen Arbeitsmarkt kommen, in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen, oder aber auch in Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes, meist in Form von Außenarbeitsplätzen; so Eichner. Allerdings gelingen auch immer wieder Vermittlungen in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. Ein Weg zur Inklusion: Außenarbeitsplätze„Außenarbeitsplätze sind Arbeitsstellen der Reha-Werkstätten, aber in herkömmlichen Betrieben“, erklärt Marco Di Sabatino, einer von zwei Jobcoaches der Reha-Werkstätten in Offenburg, Lahr, Hausach und Fischerbach. Im Rahmen des Integrationsprojektes „Reha Vision“ arbeiten sie daran, geeignete Stellen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln. „Die Menschen mit Behinderung sind weiterhin in der Werkstatt beschäftigt. Sie werden regelmäßig durch uns besucht“, erklärt Di Sabatino. Der Jobcoach ist direkter Ansprechpartner, er unterstützt bei Fragen oder Problemen mit dem neuen Umfeld und berät den Arbeitgeber und die gesunden Kollegen zum Umgang mit psychisch beeinträchtigten Personen. „Das ist wichtig, denn die die Betroffenen müssen sich angenommen fühlen, sonst funktioniert es nicht“, bestätigt Eichner.Ein Außenarbeitsplatz bei der Stadtbücherei Gengenbach Bei Agnes Schalla hat es funktioniert. „Mein großes Hobby ist das Lesen“, sagt die 30-Jährige, die vor vier Jahren vom Hochrhein nach Haslach kam und in der Reha-Werkstatt in Hausach beschäftigt wurde. Jetzt hat sie ihr „Hobby zum Beruf gemacht“. Der erste Schritt dazu war ein Praktikum in der Stadtbücherei Gengenbach. Daraus wurde im Januar 2012 ein Außenarbeitsplatz. „Ich bekam einen Jahresvertrag, der schon jetzt bis zum Dezember 2013 verlängert wurde“, so Schalla. „Die Arbeit in der Stadtbücherei Gengenbach macht mir sehr viel Spaß. Das Arbeitsklima ist super und ich komme mit der Chefin und meiner Kollegin sehr gut klar.“ Die Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Auf dem Weg zur Integration auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt leistet auch der Integrationsfachdienst Ortenau in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt eine wichtige Rolle. Er hilft bei der Vermittlung von Übergängern aus Sonderschulen und Werkstätten für behinderte Menschen in den allgemeinen Arbeitsmarkt, kümmert sich dabei um mögliche Zuschüsse für den Arbeitgeber und organisiert die Begleitung der Personen im Betrieb. „54 wesentlich behinderte Menschen konnten bis Ende 2012 im Ortenaukreis so auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden“, berichtet Claudia Thiel, Leiterin des Integrationsfachdienstes. „In den meisten Fällen handelte es sich dabei um geistig behinderte Menschen oder Menschen mit einer schweren Lernbehinderung, die ohne diese Unterstützung in einer Werkstatt für Behinderte beschäftigt oder arbeitslos wären“, so Thiel. Wechsel von der Lebenshilfe Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt Pascal Heusch ist seit 2010 im Pflegeheim Alfred-Behr-Haus in Haslach angestellt. Zuvor war der 22-Jährige bei der Lebenshilfe Kinzigtal beschäftigt, die drei Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in Haslach, Elzach und Steinach unterhält. Ursprünglich wollte Heusch sich in der Steinacher Metallwerkstatt so industrienah wie möglich für einen Metallarbeitsplatz „draußen“ auf den allgemeinen Arbeitsmarkt fit machen. Doch dann kam die Wirtschafts- und Finanzkrise und durch die Kurzarbeit bei vielen Firmen im Kinzigtal war an einen Praktikumsplatz im Metallbereich nicht mehr zu denken. „Die Rettung war Pascal Heuschs Opa. Bei seiner Versorgung zu Hause übernahm Pascal immer wieder Aufgaben und Verantwortung. Da er dies sehr gut, verantwortungsbewusst und einfühlsam machte, entstand die Idee, eben in diesem Bereich einen Versuch nach „draußen“ zu wagen“, berichtet Claudia Thiel. Alfred-Behr-Hausleiterin Silke Boschert bot Pascal ein halbjähriges Langzeitpraktikum an. „Der Versuch hat bestens geklappt, allen Beteiligten hätte nichts Besseres passieren können: Pascal geben wir nicht mehr her“, sagt Boschert. „Wir schätzen vor allem seine fröhliche, immer freundliche Art sowie seine Zuverlässigkeit.“ Gesellschaftliche Verpflichtung„Viele Arbeitgeber konnten schon erleben, dass Menschen mit Behinderungen ihnen wertvolle und zuverlässige Mitarbeitende wurden. Und im Gespräch mit den Fachleuten kann auch die Furcht vor Bürokratie, Sonderregelungen und Minderleistung oft ausgeräumt werden“, bestätigt Mirjam Schwab von der Sozialplanung des Ortenaukreises. „Beispiele gelungener Inklusion machen Mut, die Bemühungen um Ausgliederungen weiter voranzutreiben. Ziel ist es, möglichst viele Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsplatz zu einzugliedern. Wir möchten die Arbeitgeber der Region, die sich für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung interessieren, ermutigen, ihren Anteil an der gesellschaftlichen Verpflichtung zur Teilhabe behinderter Menschen gemäß der UN-Behindertenrechtskonvention zu leisten.“ Ansprechpartner sind dabei die Werkstätten, der Integrationsfachdienst und das Landratsamt Ortenaukreis.