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Viele menschliche Grundhaltungen werden im Kindesalter geprägt. Gerade deshalb ist es wichtig, hilfreiche Erfahrungen schon in jungen Jahren zu machen. „Inklusive Bildung ist ein Schwerpunkt bei dem Versuch, ein unverkrampftes Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung zu fördern“, sagt Sozialdezernent Georg Benz vom Landratsamt Ortenaukreis. Die 2008 in Kraft getretene UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) hat eine Gesellschaft als Ziel, in der sämtliche Menschen willkommen sind und alle die gleiche Würde haben, so wie ein jeder ist. „Gerade Menschen mit Behinderungen gegenüber gibt es noch viel Unsicherheit. Sie verhalten sich oft anders, als wir es erwarten oder einordnen können. Viele Menschen tun sich schwer, unbefangen mit ihnen umzugehen. Inklusion beginnt deshalb bereits bei den Kindern“, so Benz.Inklusion bedeutet Aufeinanderzugehen„Lernen, wie man miteinander umgeht, ohne den anderen verbiegen zu wollen. Das ist eine Voraussetzung für eine inklusive Gesellschaft. Durch viele Ansätze werden hierfür gerade bei den Kindern die Grundlagen gelegt, indem das Miteinander gefördert wird und Vorurteile erst gar nicht entwickelt werden“, bekräftigt Mirjam Schwab von der Sozialplanung des Ortenaukreises. In immer mehr Kindergärten besteht heute die Möglichkeit, auch Kinder mit Behinderungen aufzunehmen. „Derzeit sind im Ortenaukreis rund 120 Kinder mit Behinderungen über die Eingliederungshilfe und Jugendhilfe in allgemeinen Kindergärten integriert“, informiert Schwab. Dabei unterstützen zusätzliche Fachkräfte das gemeinsame Spielen und Lernen.„Davon profitieren die Kinder mit Behinderungen ebenso wie jene, die nicht behindert sind. Sie lernen den selbstverständlichen Umgang mit Menschen, die anders sind, überlegen ganz spontan, wie die anderen mitmachen können und entwickeln dadurch ein positives Sozialverhalten“, weiß Frank Stefan, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Kork. Der studierte Theologe Stefan kann diese Verhaltensweisen aus nächster Nähe beobachten. Aufgrund eines Umbaus am allgemeinen Kindergarten Kork sind derzeit zwei städtische Krabbelgruppen in der Diakonie Kork, die in ihren verschiedenen Geschäftsfeldern im Dienste epilepsiekranker, behinderter und alter Menschen arbeitet, untergebracht. „Inklusion bedeutet auch das Aufeinanderzugehen. Nur dann können solche Begegnungen zwischen Kindern mit und ohne Behinderung wie in diesem Fall erst entstehen“, berichtet Schwab. „Es sind bereichernde Erfahrung für uns, unsere Kinder und die Eltern“, bestätigt Kindergartenleiterin Doris Maelger. „Wir haben viel voneinander gelernt und wollen den angefangenen Weg auch in Zukunft weitergehen.“„Nach der Kindergartenzeit ist es dann aber oft sehr viel schwieriger , insbesondere Kinder mit geistigen Behinderungen in die allgemeinen Schulen zu integrieren. Zu hoch sind die Leistungsanforderungen und zu wenig sind dazu die allgemeinen Rahmenbedingungen geeignet, wie Klassengröße, Barrierefreiheit, Ausstattung der Räume oder personelle Ressourcen“, macht Schwab deutlich. „Doch auch hier können unsere zusätzlichen begleitenden Hilfen als Assistenz einiges möglich machen“, so Schwab.Außenklassen förden Inklusion Kinder mit Behinderungen, die Sonderschulen oder für spezielle Behinderungen eingerichtete Schulen besuchen, profitieren heute von anderen Möglichkeiten als früher. Ein sehr erfolgreiches Instrument sind sogenannte Außenklassen. Der Ortenaukreis ist Schulträger der öffentlichen Sonderschulen. Auch an den vier Schulen für Geistigbehinderte (Astrid-Lindgren-Schule in Willstätt-Hesselhurst, Carl-Sandhaas-Schule in Haslach, Georg-Wimmer-Schule in Lahr sowie Hansjakob-Schule in Offenburg) werden aktuell insgesamt 111 Schüler in 19 Außenklassen gemeinsam mit nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen nahezu aller verschiedenen Schularten (Grundschule, Förderschule, Hauptschule, Werkrealschule, Realschule und Berufliche Schulen) unterrichtet.„Dies entspricht einer bemerkenswerten Inklusionsquote von mehr als 40 Prozent aller Schüler mit geistiger Behinderung und verdeutlicht die Offenheit und die großen Inklusionsbemühungen der Kreissonderschulen, die sich künftig zu sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren weiterentwickeln werden“, informiert Bernhard Kohler, Leiter des Amtes für Schule und Kultur beim Ortenaukreis. Durch die Bündelung mehrerer Kinder und Jugendlicher mit gleichartigem Förderbedarf in einer Außenklasse wird es möglich, sowohl Lehrkräfte der Sonderschulen mit entsprechender sonderpädagogischer Fachkompetenz, als auch unterstützende Betreuungskräfte effektiv an den allgemeinen Schulen einzusetzen. Das Zwei-Pädagogen-Prinzip bei bedarfsbezogen zieldifferentem Unterricht ermöglicht dann auch eine deutliche Steigerung der Unterrichtsqualität, wovon letztlich alle Außenklassenschüler profitieren, so Kohler.„Die langjährigen und ausgesprochen positiven Praxiserfahrungen unserer Sonderschulen belegen unisono das große Win-win-Potenzial von Außenklassen, die - wenn sie erst einmal eingerichtet sind - in der Regel auch in den folgenden Klassenstufen bis zum jeweiligen Schulabschluss fortgeführt werden“, sagt Kohler.Eine Außenklasse der Oberlinschule für Kinder und Jugendliche mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen der Diakonie Kork hat ihren Klassenraum und Lernbereich in der Sölling-Grundschule Kehl. „In dem gemeinsamen Unterricht lernen die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Persönlichkeit zu entfalten, mit ihren jeweiligen Grenzen umzugehen, aber auch Hürden zu überwinden“, berichtet Bettina Herr, Leiterin der Oberlinschule. „Dabei hat sich eine selbstverständliche Sicherheit im Umgang miteinander entwickelt und es fielen Sätze wie: «Die Schüler der Außenklasse sind gar nicht so komisch», oder »Ich fand es toll, wie viele Ideen die Außenklasse hatte. Vorher wusste ich nicht, wie ich mit ihnen umgehen soll. Doch jetzt fand ich es echt super.«“