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„Ich befürworte einen Nationalpark im Raum Ruhestein, denn er bringt deutlich mehr Chancen als Risiken für die Region.“ Dieses Fazit zieht Landrat Frank Scherer nach intensiver Prüfung des Projekts Nationalpark und Analyse des am 16. April im Ortenaukreis vorgestellten Gutachtens zum potenziellen Nationalpark im Schwarzwald. Wie bei der Vorstellung des Gutachtens angekündigt, hatte Scherer sich anschließend nochmals mit dem Gutachten und Experten in Klausur begeben. „Unsere Kernfragen werden im Gutachten mit schlüssiger Argumentation weitestgehend positiv beantwortet“, erklärte Scherer heute vor Pressevertretern im Landratsamt in Offenburg.Tourismus und WirtschaftDie unabhängigen Gutachter zeigen klar auf, dass ein Nationalpark einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz leiste und gleichzeitig den Tourismus ankurbeln und damit auch die Wirtschaft stärken könne. „Ich bin überzeugt, dass von diesem Nationalpark eine positive Strahlkraft der Region ausgehen kann, wenn die Rahmenbedingungen von Anfang an richtig gesetzt werden.“ Beachtliche Chancen sieht Scherer insbesondere für den Tourismus, die allerdings ganz wesentlich auch davon abhängen, dass im touristischen Umfeld des Nationalparks investiert wird und zusätzliche Attraktionen, wie etwa ein angegliedertes Wildgehege, realisiert werden. „Dafür muss man offen sein, um den touristischen Mehrwert im Interesse der heimischen Wirtschaft auch optimal auszuschöpfen“, bekräftigte Scherer, der in diesem Zusammenhang auf die Wichtigkeit einer tourismusgerechten Konzeption des Parks, insbesondere auch seiner Geografie verwies. „Der Landtag von Baden-Württemberg muss sich klar darüber werden, dass ein touristischer Mehrwert ohne zusätzliche Investitionen und eine entsprechende Unterstützung seitens des Landes nicht so wie erwünscht eintreten wird.“ Scherer ist zudem überzeugt, dass die Vermarktung eines Nationalparks nur unter der Dachmarke „Schwarzwald“ sinnvoll ist und dem auch bei der Namensgebung Rechnung getragen werden muss.BorkenkäfermanagementDas Gutachten habe deutlich gemacht, wie wichtig der richtige Umgang mit dem Thema Borkenkäfer sei. „Die Borkenkäfer-Problematik muss nicht nur beherrschbar scheinen, sondern das Risiko muss gegen Null tendieren, denn vor allem die an den Naturpark angrenzenden Privat- und Kommunalwälder dürfen keinen Schaden nehmen“, meinte Scherer nach nochmaliger Beratungen mit Experten. Nach der Präsentation des Gutachtens am 16. April in Ottenhöfen hatte Scherer angekündigt, dass er gerade auch die Borkenkäferproblematik nochmals eingehend prüfen müsse. „Der Gefahr einer Ausbreitung von Borkenkäfern kann nur durch ein professionelles Borkenkäfermanagement begegnet werden.“ Scherer empfiehlt deshalb, den Managementplan sehr detailliert auf die Bestands- und eventuellen Gefährdungspotenziale auszurichten und die Kernzone des Nationalparks - also dort, wo sich die Natur frei und unbeeinflusst entwickeln wird – zunächst nicht zu groß vorzusehen, damit der Waldumbau optimal begleitet werden kann. Nach Ansicht von Scherer braucht es für das Borkenkäfermanagement unbedingt ausgebildete Forstleute, denn diese besitzen das erforderliche Expertenwissen und die Erfahrung. Das Gutachten sieht vor, die an den Nationalpark angrenzenden Wirtschaftswälder durch eine mindestens 500 Meter breite Pufferzone vor dem Befall der Borkenkäfer zu schützen. „Das Land muss Flexibilität beweisen und personell sicherstellen, dass im Fall von großen Schadensereignissen, wie Sturm, Schneebruch oder Trockenheit, sofort Suchtrupps eingesetzt werden können, um die Gefahr durch entsprechende Maßnahmen schnell und erfolgreich einzudämmen. Diese Vorgehensweise hat sich auch im Trockenjahr 2003 und in den Jahren nach Orkan „Lothar“ (Dezember 1999) als richtig erwiesen.“ Gerade auch wegen des Borkenkäfermanagements sollte forstliche Kompetenz auch in der künftigen Nationalparkverwaltung selbst vertreten sein. „Dreh- und Angelpunkt eines erfolgreichen Borkenkäfermanagements ist unterm Strich die Personalausstattung, denn ein erfolgreiches Management ist personell aufwendig und erfordert viel Kompetenz und Erfahrung.“NaturparkZur Frage des Nebeneinanders von Naturpark und Nationalpark enthalte das Gutachten keine Hinweise. „Das ist ja auch eine Frage, die politisch zu entscheiden ist“, so Scherer. Durch den zugesagten Sitz eines Vertreters des Naturparks im Nationalparkrat sei aber bereits „eine gewisse strukturelle Absicherung des Naturparks erkennbar.“HolzeinschlagDas Angebot der Landesregierung an die Sägeindustrie, mögliche jährliche Holzverluste von bis zu 26.000 Festmetern Stammholz aus anderen Gebieten des Staatswaldes auszugleichen, wertet Scherer positiv. „Minister Bonde hat die Botschaft auf unserer Veranstaltung in Ottenhöfen wiederholt, das war eine unmissverständliche Zusage, auf die sich die Holzindustrie verlassen kann. Damit sind meine Bedenken hinsichtlich der Rohstoffversorgung unserer Sägewerke beseitigt.“Mitbestimmung der Region Scherer begrüßt auch die von der Landesregierung zugestandene Mitbestimmung der Region auf Augenhöhe, die über einen paritätisch besetzten Nationalparkrat unter kommunalem Vorsitz erfolgen soll. „Das ist eine ausreichende Garantie, denn im Nationalparkrat werden alle wichtigen Angelegenheiten eines Nationalparks entschieden: Managementplan, Zonierungskonzept, Gesamtverkehrskonzept, Besucherlenkung.“ Die Festlegung der Zusammenarbeit zwischen einem künftigen Nationalpark und dem bestehenden Naturpark gehöre zu den prioritären Aufgaben des Nationalparkrats. Deshalb sei es wichtig, dieses Gremium rasch zu konstituieren und einzubinden, erklärte Scherer. „Aus meiner Sicht muss ein Nationalpark in ein wirtschaftliches, touristisches, naturschutzfachliches und insbesondere auch verkehrliches Entwicklungskonzept der Region eingebettet werden, wobei dem Nationalparkrat eine wichtige Funktion zukommt.“Fazit Landrat Frank Scherer„Wenn die von mir angesprochenen Rahmenbedingungen geschaffen werden, ist ein Nationalpark im Raum Ruhestein nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch eine große Chance für die Region, die wir nutzen sollten“, bilanziert Scherer. Um sie auch gegebenenfalls im Ortenaukreis optimal touristisch zu nutzen, setzt sich Landrat Scherer unter anderem dafür ein, dass die Gebietskulisse den Raum Ruhestein umfasst und im Bereich Allerheiligen ein Nationalparkportal entsteht.TermineDie Gremien der potenziellen Nationalparkgemeinden und des Landkreises werden sich in den nächsten Wochen mit dem Thema befassen. Nach Vorberatungen in den Ausschüssen für Umwelt und Technik sowie Kultur und Bildung (18./25. Juni 2013) wird der Kreistag am 9. Juli 2013 seine Position festlegen.