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Im Rahmen der Reform der Europäischen Weinmarktorganisation hat die EU-Kommission 2008 die Aufhebung des Anbaustopps für Weinreben ab 2015 beschlossen. EU-Mitgliedstaaten können ihn auf nationaler Ebene letztmalig bis 2018 verlängern. Danach ist theoretisch auf jeder Fläche Weinbau möglich. Der alte Grundsatz „genehmigte Rebsorten nur auf genehmigten Flächen anzubauen" wäre aufgehoben. Gegen den Beschluss haben sich europaweit Widerstände geregt. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos setzte daraufhin im Januar 2012 eine hochrangige „Expertengruppe Wein“ aus nationalen Fachleuten und der EU-Ebene ein. Mitte Dezember 2012 haben die Beauftragten in ihrer abschließenden Sitzung das gemeinsame Abschlussdokument „Pflanzrechte“ verabschiedet.„Im Kern sieht das Positionspapier auch für die Zukunft eine Beschränkung der Rebfläche vor, allerdings mit komplizierten Öffnungsklauseln, die unter gewissen Bedingungen zusätzliche Neupflanzungen ermöglichen“, erklärt Edwin Dreher, Dezernent für den Ländlichen Raum beim Ortenaukreis. Das Schlussdokument wird nach einer nochmaligen Verbandsanhörung und einer Diskussion im Agrarausschuss dem Europäischen Parlament vorgelegt und in die laufende Diskussion mit der EU-Kommission einbezogen. „Über diesen Teilerfolg freue ich mich“, so Landrat Frank Scherer, der sich bereits seit 2010 bei zuständigen EU-Politikern, dem Oberrheinrat und der Oberrheinkonferenz für die Aufrechterhaltung des Anbaustopps stark macht.„Unsere Bemühungen haben gefruchtet, aber wir müssen weiter für die weitgehende Aufrechterhaltung kämpfen, denn auch eine Aufweichung des Anbaustopps wird bei uns dazu führen, dass das im Laufe der Jahrhunderte gewachsene Erscheinungsbild der Landschaft am Oberrhein irreparabel zerstört wird und der landschaftliche Reiz der hügeligen Reblandschaften verloren geht“, so Scherer. „Zudem wird mit einer Aufgabe der Steillagen ein großer und wichtiger Teil der Weinkultur verschwinden, was einen erheblichen Imageschaden für den Weinbau bedeutet. Die Auswirkungen auf Landwirtschaft, Tourismus, Gastronomie und Identität der Kommunen wären verheerend“, verdeutlicht der Landrat. Dem Weinbau kommt im Ortenaukreis bereits seit vielen Jahrhunderten eine zentrale wirtschaftliche und landschaftsprägende Bedeutung zu. Der Anbau, rund 2500 Hektar, wird zum überwiegenden Teil in Hang- und Steillagen mit bis zu 60-prozentigem Gefälle betrieben.„Sollte der Anbaustopp substanziell aufgeweicht werden, besteht die Gefahr, dass sich der Anbau von Weintrauben auf landwirtschaftlichen Flächen bis in die ebenen und maschinell sehr einfach zu bewirtschaftenden Lagen des Rheintales ausdehnen wird“, erwartet Dezernent Dreher. Die Wettbewerbsfähigkeit des Steillagenweinbaus würde sich dadurch dramatisch verschlechtern. „Die negativen wirtschaftlichen Konsequenzen einer solchen Entwicklung für die betroffenen Weinbaubetriebe, aber auch für die regionale Gastronomie und den Tourismus, liegen auf der Hand“, so Dreher.„Ich hoffe deshalb sehr, dass das von der Expertengruppe vorgeschlagene Modell zur Neuregelung des Pflanzrechtesystems zu keiner Aufhebung des Anbaustopps auf Raten führen wird. Aus diesem Grunde ist es notwendig, dass bis zu einer endgültigen Entscheidung von allen Beteiligten weiterhin politisch Druck ausgeübt wird. Nur so können wir unsere auch ökologisch wertvollen Steil- und Terrassenflächen und damit die reizvolle Kulturlandschaft erhalten“, bekräftigt Scherer.