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Offenburg, 16. Dezember 2008 - Die Kostenentwicklung im Sozialbereich wird den Haushalt des Ortenaukreises auch in den kommenden Jahren entscheidend prägen. Bei der Vorstellung des Sozialberichts 2007 im Kreistag des Ortenaukreises machte Landrat Frank Scherer deutlich, dass der Anteil der Sozialausgaben mit rund 250 Millionen Euro bereits heute über zwei Drittel der Gesamtausgaben des Kreises ausmache. „Wir müssen auch angesichts der konjunkturelle Entwicklung davon ausgehen, dass die Sozialausgaben in den kommenden Jahren weiter steigen, sagte Scherer. Zugleich machte er deutlich, dass der Ortenaukreis über eine leistungsfähige Infrastruktur und gute Konzepte verfüge. Dies zeigten auch die guten Ergebnisse der vergangenen Jahre. Die Entwicklung im Sozialbereich in den kommenden Jahren werde vor allem von demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen und der konjukturellen Situation abhängen, betonte Sozialdezernent Georg Benz, der den Bericht im Einzelnen vorstellte. Eine deutliche Veränderung zeichne sich schon jetzt in der Alterspyramide der Bevölkerung im Ortenaukreis ab. Während der Bevölkerungsstand 2025 voraussichtlich nur leicht zurückgegangen sein wird, wird der Anteil der unter 18-jährigen abnehmen, der über 65-jährigen deutlich zunehmen. Als Beispiel für die gesellschaftlichen Veränderungen nannte Benz die Zunahme der Scheidungsrate in den vergangenen Jahren. Lag sie 1991 im Ortenaukreis noch bei 19 Prozent, so habe sie 2007 bereits 38 Prozent erreicht. Der Landesdurchschnitt liegt bei 47 Prozent. Entscheidenden Einfluss auf die Situation der sozial schwachen Menschen im Ortenaukreis werde die Entwicklung der Arbeitslosigkeit haben. Mit 3,5 Prozent liege der Ortenaukreis deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 3,9 Prozent. Der Ortenaukreis, zuständig für die Betreuung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen, habe in den vergangenen Jahren erfolgreich gearbeitet. Zwischen 2006 und 2007 sei die Anzahl der sogenannten Bedarfsgemeinschafen im Ortenaukreis um 8,1 Prozent zurückgegangen. Im Bundesdurchschnitt war der Rückgang mit 3,4 Prozent deutlich geringer. Zur Zeit habe er mit der Zahl von 7.525 im Ortenaukreis einen Tiefststand erreicht. Allerdings müsse in Anbetracht des drohenden Konjunktureinbruchs von einem Anstieg der Zahlen ausgegangen werden. Der Kreis wolle dieser Entwicklung vor allem durch die Entwicklung von Strategien zur Integration von Jugendlichen, älteren Arbeitsuchenden, Alleinerziehenden und Personen mit Migrationshintergrund entgegenwirken. Eine weitere Tendenz machte Benz bei der Entwicklung der Zahl der Leistungsempfänger der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung aus. Sie nehme von Jahr zu Jahr zu. Seit 2005 seien die Aufwendungen für diesen Bereich um über zwei Millionen Euro angestiegen und werden weiter in der bisherigen Geschwindigkeit ansteigen, prognostizierte Benz. Ähnlich sei die Kostenentwicklung auch bei der Eingliederungshilfe, also der Unterstützung behinderter Menschen, die in Werkstätten arbeiten oder auf stationäre oder ambulante Angebote angewiesen sind. Einen Anstieg der Einzelfälle stellte der Sozialdezernent auch bei den Hilfen zur Pflege fest. Im ambulanten Pflegebereich und bei den Heimunterbringungen ergaben sich seit 2005 Steigerungen von acht und neun Prozent. Auch in diesem Bereich sei in den kommenden Jahren zwingend mit einem Anstieg des Aufwands zu rechnen, sagte Benz. Eine weitere Ursache für den Anstieg der Sozialausgaben sei der Jugendhilfebereich. Bei den Kindeswohlgefährdungen ist die Zahl der Meldungen von 2006 auf 2007 rasant angestiegen. Dies hat auch deutliche Auswirkungen auf die Anzahl der betreuten Einzelfälle und den finanziellen Aufwand. Bei den Hilfen zur Erziehung mache sich dies vor allem beim Anstieg in der Heimerziehung bemerkbar. Fast dramatisch nannte Benz die Zunahme dieser Fälle von 2007 bis Ende des vergangenen Monats um 59 Prozent auf 137 Heimunterbringungen. Benz begründete dies mit dem gesellschaftlichen Wandel und dem Umstand, dass Einzelfälle in den Jugendhilfe häufig schwieriger und komplexer würden und damit die Möglichkeit einer Pflegefamilie überstiegen. Allein in diesem Bereich seien die Kosten von 2000 bis 2007 von rund 2,1 auf 3,8 Millionen Euro gestiegen. Wie Benz feststellte, hat der Kreis mit seinem kürzlich beschlossenen Projekt der „Frühen Hilfen“ hier ein richtiges Zeichen gesetzt, das langfristig auch eine Verbesserung in der Jugendhilfe bringen wird. Als äußerst dynamisch und positiv bezeichnete Benz dagegen die Entwicklung bei der Kinderbetreuung und Kindertagespflege im Ortenaukreis. Beim Ausbau der Kinderbetreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren nehme der Ortenaukreis auch Dank der initiativen der Gemeinden eine Spitzenstellung im Land ein. Ziel sei es, bis 2010 ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot für unter 3-Jährige zu erreichen. Der Sozialbericht 2007 ist im Internet abrufbar unter : www.ortenaukreis.de in der Rubrik Bürgerservice/Publikationen.