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Offenburg, 16. Februar 2009 - Das Landratsamt Ortenaukreis hat mit der Sanierung der bislang größten Altlastfläche auf dem ehemaligen NATO-Flugplatz in Lahr unmittelbar südlich von Hugsweier begonnen. Im Rahmen der mehrjährigen detaillierten Untersuchungsphase wurden die vorhandenen Kontaminationen vor allem an Kerosin und Lösemitteln lokalisiert und die Schadensherde eingegrenzt. Die jetzt anlaufende Sanierung kostet einschließlich Ingenieurleistungen rund fünf Millionen Euro und dauert einschließlich einer dreijährigen Erfolgskontrolle insgesamt fast acht Jahre. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz stellten heute der Landkreis als Auftraggeber, die Stadt Lahr als Grundstückseigentümerin, die für die Entwicklung und Vermarktung der Grundstücke verantwortliche Industrie- und Gewerbezentrum Raum Lahr GmbH (IGZ) und die beteiligten Firmen das aufwändige Sanierungsverfahren vor. Die Sanierung erfolgt dabei in zwei Stufen, wobei zunächst ein Bodenaushub mit schwerem Baugerät durchgeführt wird. Auf einer Fläche von etwa 10.000 Quadratmetern werden rund 35.000 Kubikmeter belastetes Erdreich bis in eine Tiefe von drei bis vier Metern ausgebaggert. Das Aushubmaterial wird chargenweise untersucht und analysiert und entsprechend der ermittelten Schadstoffklassen einer ordnungsgemäßen Entsorgung zugeführt. Die Baugrube wird anschließend mit für die jeweiligen Nutzungen unbedenklichen Bodenmaterial wiederverfüllt. Dieser Sanierungsabschnitt wird etwa innerhalb von neun Monaten abgeschlossen sein. Anschließend erfolgt eine sogenannte In-Situ-Sanierung. Hierbei wird die Fähigkeit bestimmter Mikroorganismen ausgenutzt, Umweltschadstoffe, wie sie hier im Bereich der Kerosinentladestation auftreten, zu Stoffen umzusetzen, die ungefährlich für Mensch und Natur sind. Die auftretenden Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW), Aromatischen Kohlenwasserstoffe (BTXE) und selbst die toxischen Leichtflüchtigen Chlorierten Kohlenwasserstoffe (LCKW) werden dabei durch Bakterien abgebaut, die am Standort bereits vorhanden sind. Unter geeigneten Umweltbedingungen werden die organischen Schadstoffe mit Hilfe von natürlichen Enzymen umgesetzt und dienen den Bakterien teilweise sogar als „Nahrung“, wobei im günstigsten Fall bei einem vollständigen Abbau nur noch Kohlendioxid und Wasser übrig bleiben. Die geeigneten Umweltbedingungen im Untergrund können dabei noch optimiert werden, wenn durch die Zugabe von Sauerstoff oder Nährstoffen für die Mikroorganismen ein Milieu geschaffen wird, in dem sie bestmöglich leben und wirken können. Um den biologischen Abbau optimal zu gewährleisten, wurden im Vorfeld umfangreiche Vorversuche im Labor durchgeführt. Diese dienten auch zur Bestätigung des Sanierungskonzeptes der Sanierungsfirma, die ihre Leistungen entsprechend den Vorgaben des Landratsamtes Ortenaukreis zu einem Festpreis mit Sanierungserfolgsgarantie angeboten hat. Der Abbau der Schadstoffe im Grundwasserleiter wird in einem hydraulisch gesicherten Spülkreislauf realisiert, wobei das belastete Grundwasser aus mehreren Brunnen abgepumpt wird und nach der Aufbereitung in einer Anlage zusammen mit Nährstoffen wieder infiltriert wird. Nährstoffe und Sauerstoffträger gelangen mit dem Spülkreislauf in die belasteten Grundwasserbereiche, wo diese von den Mikroorganismen verwertet werden. Dieser Kreislauf muss laut Planung der Sanierungsfirma IBL aus Heidelberg über dreieinhalb Jahre aufrecht erhalten werden. In dieser Zeit werden rund 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert, aufbereitet und wieder eingeleitet. Da die Schadstoffbelastung, nachdem sie durch den Boden ins Grundwasser versickert ist, sich dort in alle Richtungen ausgebreitet hat, muss die In-Situ-Sanierung über eine Fläche von fast 40.000 Quadratmetern und mehreren Metern im Grundwasser wirken. Die Schadensherde oberhalb des Grundwasserspiegels werden von diesem Spülkreislauf der In-Situ-Sanierung nicht erfasst, sodass für diese Bereiche nur der schon erwähnte Aushub als effektive Sanierungsmethode in Frage kommt. Sowohl der Voraushub als auch die anschließende In-Situ-Sanierung werden von umfassenden Überwachungs- und Sicherheitsmaßnahmen begleitet. So ist u. a. davon auszugehen, dass während des Aushubs an manchen Tagen Kerosindämpfe in der Baugrube entstehen. Diese werden abgesaugt um die Sanierungsfachleute und Bauarbeiter zu schützen. Hierdurch wird auch gewährleistet, dass für die umliegende Bevölkerung keine Gefahren entstehen. Das Landratsamt Ortenaukreis überwacht dies durch umfangreiche Messkampagnen. Über den gesamten Zeitraum werden darüber hinaus sämtliche Grundwassermessstellen im Umfeld beprobt und die Entwicklung der Schadstoffgehalte dokumentiert. Nach erfolgter Sanierung der Schadensherde wird dabei mittelfristig auch eine deutliche Verbesserung der Grundwasserqualität in Richtung Hugsweier zu beobachten sein. Auftraggeber für die Sanierung ist das Landratsamt Ortenaukreis. Auf der Grundlage des bestehenden Antrags nach dem NATO-Truppenstatut beim ehemaligen Amt für Verteidigungslasten Karlsruhe auf Kostenerstattung tragen die verursachenden Streitkräfte der Staaten Kanada und Frankreich 75 Prozent und der Bund 25 Prozent der Kosten. Vertreter der Streitkräfte und des Bundes sind in die Planung und Durchführung der Maßnahmen eingebunden. Das Landratsamt Ortenaukreis hebt besonders hervor, dass die bislang praktizierte gute und enge Zusammenarbeit mit der IGZ Raum Lahr GmbH und der Stadt Lahr als Grundstückseigentümer außerordentlich wichtig für einen reibungslosen Verfahrensablauf ist. IGZ und die Stadt Lahr werden daher über die zwingend erforderliche Abstimmung hinaus unter anderem durch regelmäßige Teilnahmen an Projekt- und Arbeitsgruppensitzungen eingebunden. Die Sanierung dieser Fläche sowie die gesamte Altlastenbearbeitung auf dem Flugplatz Lahr stellt eine wesentliche Grundlage für die Bauleitplanung gerade im Nordbereich des Ostareals für die Vermarktung von Grundstücken im Zuge des Flächenrecyclings dar. Die bislang nicht erfolgte Erweiterung des Bebauungsplanes Rheinstraße Nord rückt nun in greifbare Nähe. Die nächsten Sanierungsmaßnahmen auf dem Flugplatz-Areal befinden sich bereits in der Planung. Im Jahr 2009 werden zwei Sanierungen im Ostareal gestartet. In den nächsten Jahren sind darüber hinaus weitere acht Sanierungen erforderlich.