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Offenburg, den 15. September 2009 - Nachdem der Kreistag des Ortenaukreises am 28.Juli 2009 mit großer Mehrheit das Konzept Frühe Hilfen im Ortenaukreis verabschiedet hat, haben das Landratsamt Ortenaukreis und seine Kooperationspartner im Netzwerk Frühe Hilfen nun unmittelbar mit der Umsetzung des Konzepts in die Praxis begonnen. Das Konzept der Frühen Hilfen im Ortenaukreis wurde in einem gemeinsamen Prozess von Fachleuten der Jugendhilfe und des Gesundheitswesens erarbeitet und ist auch landes- und bundesweit auf viel Beachtung gestoßen. Das Konzept ist präventiv ausgerichtet und basiert auf 3 Säulen , so Sozialdezernent Georg Benz heute bei einem Pressegespräch im Landratsamt Ortenaukreis. Bessere Vernetzung zwischen Gesundheitswesen und Jugendhilfe, Verbesserung der Früherkennung von Belastungsfaktoren und der frühen Erreichbarkeit von Müttern und Vätern sowie Bereitstellung speziell geeigneter Hilfen für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern. In Achern, Kehl, Lahr, Offenburg und Wolfach wurden wohnortnah für alle Raumschaften des Ortenaukreises fünf neue Fachstellen Frühe Hilfen in Anbindung an die jeweiligen Psychologischen Beratungsstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche im Ortenaukreis eingerichtet. Die Fachstellen bieten für alle Eltern mit Kindern von 0-3 Jahren Information, Beratung, direkte Hilfen sowie schnelle und unbürokratische Weitervermittlung aus einer Hand. Neben der Beratung und Unterstützung in allen Fragen zur kindlichen Entwicklung und Erziehung umfasst das Angebot auch die speziell auf die Stärkung der frühen Mutter- (und Vater)-Kind Bindung ausgerichtete Methode der Entwicklungspsychologischen Beratung, bei der mit Hilfe von Videobeispielen gezielte und gut nachvollziehbare Unterstützung angeboten werden kann. Ab sofort können dort an allen Wochentagen Termine vereinbart werden, auf Wunsch sind diese auch bei den Eltern zuhause möglich. Aber auch alle Fachleute, die in ihrer täglichen Arbeit mit den Eltern und Kindern zu tun haben, können sich an die Fachstellen wenden. Die Fachstellen werden in den einzelnen Raumschaften Runde Tische Frühe Hilfen installieren und mit allen Kooperationspartnern im Netzwerk eng zusammen arbeiten. Besonders wichtig ist dabei auch die Kooperation mit den Kinderärzten. Ganz neu ist die Zusammenarbeit mit den Entbindungskliniken sowie mit Hebammen und Familienhebammen. Gerade bei vorliegenden Belastungen sollte Unterstützung so früh wie möglich einsetzen , betont Projektleiter Ullrich Böttinger. Alle Entbindungskliniken im Ortenaukreis unterstützen aktiv einen guten Start ins Leben und werden allen Müttern und Vätern den neuen Flyer der Fachstellen überreichen und auf die Möglichkeiten der Unterstützung aufmerksam machen. Die Fachstellen werden sich möglichst auch bereits in die Geburtsvorbereitungsprogramme der Kliniken einbringen. Einen besonders wichtigen Baustein im Konzept stellen auch die Familienhebammen dar. Familienhebammen sind examinierte Hebammen, die im Rahmen einer berufsbegleitenden Zusatzqualifizierung über den Tätigkeitsbereich allgemeiner Hebammenleistungen hinaus erweiterte Kompetenzen im Bereich psychosozialer Beratung und Betreuung erworben haben. Im vertrauten häuslichen Milieu können Sie Eltern und Kinder über den Zeitraum des gesamten ersten Lebensjahres und damit erheblich länger als über allgemeine Hebammenleistungen betreuen. Auch die Familienhebammen arbeiten eng mit den Fachstellen Frühe Hilfen zusammen. Je nach Situation der einzelnen Eltern und Kindern können auch andere geeignete präventive Hilfen wie z. B. spezialisierte sozialpädagogische Familienhilfen, haushaltsunterstützende Trainings oder andere Unterstützungsformen über die Fachstellen vermittelt werden. Die Finanzierung der Familienhebammen sowie weiterer geeigneter Hilfen erfolgt aus dem Präventionspool , aus dem die Fachstellen den geeigneten Hilfemix im Einzelfall zusammenstellen können. Als weiterer Baustein des Gesamtkonzepts hat auch die zentrale Kinderschutzambulanz an der Kinderklinik im Ortenau Klinikum in Offenburg ihre Arbeit aufgenommen. Dorthin können sich insbesondere Eltern und Familien wenden, bei denen auch medizinische Fragestellungen und Abklärungen von Bedeutung sind. Das Konzept umfasst Beratung, Intervention und medizinisch-psychologische Betreuung. Die Ambulanz steht insbesondere auch in Notsituationen rund um die Uhr zur Verfügung. Der Ortenaukreis investiert jährlich 800.000 Euro mit einem stufenweisen Aufbau in den Jahren 2009 (330.000 Euro) und 2010 (743.000 Euro) in die Frühen Hilfen. Davon entfallen je rund 160.000 Euro auf die fünf neuen Fachstellen Frühe Hilfen (je eine 0,5 Diplompsychologenstelle) und auf die Kinderschutzambulanz. Der weitaus größte Teil von rund 450.000 Euro steht zur Finanzierung geeigneter Unterstützung im Einzelfall aus dem Präventionspool für den Einsatz von Familienhebammen und anderen passgenauen Hilfen zur Verfügung. Und schließlich entfallen rund 30.000 Euro auf die in diesem Bereich besonders wichtige Öffentlichkeitsarbeit sowie die fachliche Weiterentwicklung und Evaluation des Konzepts. Denn schließlich sollen klare Aussagen über die Wirkungen der Frühen Hilfen möglich sein, um aus den Praxiserfahrungen heraus immer wieder sinnvolle Anpassungen vornehmen zu können. Mit dem Konzept Frühe Hilfen setzt der Ortenaukreis einen Meilenstein für präventive und nachhaltige kommunale Sozialpolitik. Dezernent Georg Benz, Amtsleiterin Monika Strauß und Projektleiter Ullrich Böttinger als Verantwortliche für die Frühen Hilfen sind sich sicher: Diese frühe Prävention ist eine lohnenswerte Investition in die Zukunft unserer Kinder und Familien. Die Frühen Hilfen stellen für alle Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern im Ortenaukreis eine deutliche Verbesserung der Startbedingungen ins Leben dar. Dieses Geld ist sehr gut angelegt und wird sich langfristig auch finanziell rechnen. Ein Euro Prävention spart vier Euro Folgekosten. Dem pflichtet auch Dr. Jens-Uwe Folkens als Leiter der neuen Kinderschutzambulanz bei: Die Versorgung für Kinder und Familien im Ortenaukreis ist mit diesem Konzept einen großen Schritt vorangekommen und beispielhaft für andere Regionen.