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18.06.2020

Ortenaukreis will Finanzierungslücke bei der Aids-Hilfe Offenburg-Ortenaukreis schließen

Der Sozialausschuss des Ortenaukreises stimmte am vergangenen Dienstag einer Erhöhung des Zuschusses für die Aids-Hilfe Offenburg-Ortenaukreis e.V. um 12.000 Euro pro Jahr zu. Die Erhöhung soll eine Finanzierungslücke füllen, die wegen der Kürzung des Landeszuschusses entstanden ist. 

„Die Aids-Hilfe Offenburg-Ortenaukreis leistet seit vielen Jahren die psychosoziale Grundversorgung der von HIV und Aids betroffenen Menschen für den gesamten Ortenaukreis“, erklärte Sozialdezernent Georg Benz vor den Mitgliedern des Sozialausschusses. „Die medizinische Versorgung der betroffenen Menschen hat sich in den letzten Jahren zwar verbessert und zu einer höheren Lebenserwartung geführt. Die soziale Situation der Betroffenen hat sich jedoch nicht in gleichem Maße verbessert, so dass die Arbeit der Aids-Hilfe gerade auch bei steigender Lebenserwartung immer wichtiger wird.“ Vor allem bei älteren und schon lange infizierten Personen seien verstärkt psychische Auffälligkeiten zu beobachten, was eine intensivere Beratung und Begleitung mit weitergehenden Hilfestellungen im Alltag erforderlich mache, so Benz weiter. Auch die Präventionsarbeit dürfe nicht vernachlässigt werden, da sonst die nach wie vor bestehende Ansteckungsgefahr unterschätzt würde.

„Im Jahr 2019 haben 748 Beratungen sowie rund 40 Präventionsveranstaltungen der Aids-Hilfe Offenburg-Ortenaukreis e.V. stattgefunden“, betonte Ullrich Böttinger, der Leiter des Amtes für Soziale und Psychologische Dienste im Landratsamt. „Dieses enorme Pensum ist nur aufgrund ehrenamtlich geleisteter Arbeit im Umfang von 1.200 Stunden ergänzend zur hauptamtlichen Tätigkeit des Sozialpädagogen möglich, der eine 85 Prozent-Stelle innehat.

Die Aids-Hilfe Offenburg-Ortenaukreis e.V. wirtschaftet insgesamt sehr sparsam. Umso ärgerlicher ist es, dass aufgrund einer Umverteilung der Landesförderung, die kleinere Aidshilfen benachteiligt, Landesfördergelder wegbrechen und so die Existenz der Aids-Hilfe Offenburg-Ortenaukreis e.V. bedroht ist“, so Böttinger.

Aus Sicht der Verwaltung erschien diese Änderung der Förderleitlinien des Landes mit den resultierenden Gefährdungen kleiner Aids-Hilfen nicht nachvollziehbar und in ihrer Konsequenz für die Versorgung im ohnehin bereits benachteiligten ländlichen Raum nicht hinnehmbar. „Unseren Argumenten ist das Ministerium für Soziales und Integration leider nicht gefolgt“, so Benz, „so dass die Aids-Hilfe durch den um ein Drittel geringeren Beitrag des Landes, die gestiegenen Lohnkosten und die Kosten des neu eingerichteten „Checkpoints“ zur Aidstestung jetzt in ihrer Existenz bedroht ist.“

Aus Sicht der Verwaltung und auch aus Sicht der Ausschussmitglieder ist die Aids-Hilfe Offenburg-Ortenaukreis e.V. auch zukünftig unverzichtbar. Deshalb soll der Kreiszuschuss ab dem laufenden Jahr um ein Drittel auf 36.000 Euro angehoben werden. Für den Doppelhaushalt 2021/2022 sollen ebenfalls jährlich 36.000 Euro eingeplant werden. „Dies setzt voraus, dass das Land bei seiner neuen Förderpraxis bleibt. Sollte sie sich in den nächsten beiden Jahren wider Erwarten zu Gunsten der Aids-Hilfe verändern, würden wir den Kreiszuschuss entsprechend anpassen. Zur langfristigen Sicherung der Grundversorgung im ländlichen Raum werden wir uns beim Land weiterhin für eine Neuformulierung der Förderleitlinien und des daraus resultierenden Verteilerschlüssels einsetzen“, so Dezernent Benz abschließend.

 

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