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16.10.2019

10 Jahre Frühe Hilfen im Ortenaukreis: Erfolgsmodell setzt Maßstäbe

Mehr als 180 Fachleute der Frühen Hilfen, der Jugendhilfe, des Gesundheitswesens und weiterer angrenzender Arbeitsfelder aus ganz Deutschland kamen am Montag, 14. Oktober, zur Jubiläumsfachtagung „10 Jahre Frühe Hilfen im Ortenaukreis“ ins Landratsamt in Offenburg.

 

Bereits 2009 hatte der Ortenaukreis als eine der ersten Kommunen in Deutschland ein Unterstützungsnetzwerk für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern bis drei Jahren sowie für werdende Eltern aufgebaut, die sog. „Frühen Hilfen“. Fünf Fachstellen Frühe Hilfen bieten seither Diagnostik, Beratung und Therapie und vermitteln bei Bedarf Familienhebammen oder andere Hilfen, die direkt in die Familien kommen. Genauso lange gibt es als weiteres Element der Frühen Hilfen die Kinderschutzambulanz am Ortenau Klinikum mit der „Babysprechzeit“ für Eltern mit Kindern bis drei Jahren. Im Netzwerk Frühe Hilfen arbeiten die Jugendhilfe, das Gesundheitswesen und weitere Bereiche wie die Schwangerschaftsberatung und die Frühförderung eng zusammen.

Landrat Frank Scherer würdigte die Frühen Hilfen als ein außerordentlich gut gelungenes Modell von Prävention zum richtigen Zeitpunkt. „Wir wollen nicht erst warten, bis sich größere Probleme entwickeln, denn frühe Hilfen ersparen späte Sorgen. Ich bin froh um all die Kinder, denen wir in den vergangenen zehn Jahren helfen konnten, besser und gesünder groß zu werden, und deren Familien wir unterstützen konnten.“ Scherer hob hervor, dass der Ortenaukreis von Beginn an überzeugt gewesen sei, ein sehr gutes Frühe Hilfen Modell entwickelt zu haben. „Dass es jedoch im Ortenaukreis und auch darüber hinaus in ganz Deutschland zu einem Erfolgsmodell wird und Maßstäbe setzt, hätten wir nicht gedacht, es freut uns aber sehr.“

„In den letzten zehn Jahren kamen im Ortenaukreis fast 35.000 Kinder zur Welt und in fast 5.000 Fällen wurde die Unterstützung der Frühen Hilfen in Anspruch genommen“, so Ullrich Böttinger, Leiter des Amts für Soziale und Psychologische Dienste und der Frühen Hilfen im Ortenaukreis. „Die Frühen Hilfen wollen Eltern bei allen Fragen zu Versorgung, Beziehungsaufbau und in ersten Erziehungsfragen helfen. Die Kooperation im Netzwerk und dass wir dadurch so nah an den Menschen sind, begründet den großen Erfolg.“ Das Angebot stehe allen Eltern und werdenden Eltern zur Verfügung, ganz besonders solle es aber in schwierigen familiären Situationen wie etwa bei Erkrankungen oder psychosozialen Belastungen von Elternteilen Unterstützung bieten, so der Amtsleiter.

Das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg würdigte die Frühen Hilfen im Ortenaukreis als Vorzeigemodell weit über den Ortenaukreis hinaus. Staatssekretärin Bärbl Mielich: „Während auf Bundesebene noch diskutiert wurde, wie Kinder präventiv vor drohenden Gefahren geschützt werden können, haben Sie hier im Ortenaukreis bereits vor zehn Jahren Fakten geschaffen. Hierfür gebührt Ihnen Dank und Anerkennung“, so Mielich. „Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir mit dem Ortenaukreis einen Landkreis im Land haben, der den Aufbau und die Fortentwicklung der Frühen Hilfen in den vergangenen Jahren auf vielfältigen Weise und weit über das übliche Maß betrieben und unterstützt hat. Präventiv wirkende Hilfen für alle Familien bietet daneben auch das Landesprogramm STÄRKE 2019 an. Das Ziel dieser Form der Hilfe und Unterstützung ist es, die Beziehungs-, Erziehungs- und Alltagskompetenz von Eltern und werdenden Eltern zu fördern und zu stärken. Der Ortenaukreis arbeitet bereits mit rund 70 Bildungs- und Jugendhilfeträgern und qualifizierten Einzelveranstaltern zusammen, um STÄRKE-Angebote umzusetzen.“

Mechthild Paul, Leiterin des Nationalen Zentrums Frühen Hilfen in Köln hob hervor: „Frühe Hilfen haben sich seit 2007 mit großer Dynamik entwickelt und sind in den Kommunen etabliert. Überall gibt es Netzwerke Frühe Hilfen, die die Zusammenarbeit von Akteuren unterschiedlicher Sozialleistungssysteme koordinieren. Durch die Bundesstiftung Frühe Hilfen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist es gelungen, die Angebote der Frühen Hilfen nachhaltig abzusichern. Diese erfolgreiche Entwicklung ist insbesondere auch engagierten Kommunen zu verdanken, die von Anfang an an der Entwicklung der Frühen Hilfen mitgewirkt haben. Zu diesen innovativen und engagierten Kommunen gehört der Ortenaukreis. Mit dem Ortenaukreis konnten neue Wege ausprobiert werden, um sicher zu sein, dass die Familien auch wirklich von den Hilfen profitieren. Aus diesen Erfahrungen konnten wir lernen und die guten Ansätze in ganz Deutschland umsetzen. Daher gilt dem Ortenaukreis ein großer Dank."

Böttinger stellte auf der Fachtagung die Entwicklung, insbesondere aber auch die Zukunftsanforderungen der Frühen Hilfen im Ortenaukreis dar: „Wir sind sehr froh, dass wir so vielen Familien mit ihren Säuglingen und Kleinkindern an ganz entscheidenden Punkten ihres Lebens helfen konnten. Vor allem ist es schön zu sehen, dass dieses Angebot sehr gern in Anspruch genommen wird und die Eltern sich gegenseitig darauf aufmerksam machen. Gleichzeitig raten aber auch viele Fachleute im Netzwerk Eltern zur Kontaktaufnahme mit den Fachstellen Frühe Hilfen oder der Babysprechzeit am Ortenau Klinikum. Entscheidend ist, dass bei den Familien wirklich etwas ankommt und das ist bei den Frühen Hilfen der Fall.“ Gerade auch Familien mit Migrationshintergrund werden in den Frühen Hilfen in sehr hohem Maße erreicht, zunehmend auch Familien mit Fluchthintergrund. Böttinger würdigte im Besonderen das hohe Engagement der Fachkräfte im Netzwerk der Frühen Hilfen.

Der Blick Böttingers richtete sich jedoch nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorne: „Vor den Frühen Hilfen liegen große Anforderungen, die es zu bewältigen gilt, um die bisherigen Erfolge nicht zu gefährden. Dazu gehört insbesondere die Absicherung des zwischen den Geburtskliniken und den Fachstellen Frühe Hilfen im Ortenaukreis entwickelten Lotsensystems, bei dem das Personal der Kliniken alle Eltern anspricht und auf die Unterstützungsmöglichkeiten der Frühen Hilfen aufmerksam macht. Diese wichtige Leistung werde den Kliniken bisher nicht vergütet. Bei zunehmender Arbeitsbelastung und steigenden Geburtenzahlen werde es für das Klinikpersonal immer schwieriger, diese Leistung zu erbringen. Ein weiteres Problem bestehe im akuten Hebammen-Mangel, der sich auch auf die Einsatzmöglichkeiten von Familienhebammen in den Frühen Hilfen auswirke.

 

Sozialdezernent Georg Benz verdeutlichte diese Problematik: „Der Ortenaukreis investiert seit vielen Jahren in hohem Umfang in frühe Prävention. Prävention kann jedoch nicht Aufgabe der Kommune alleine sein. Wir wünschen uns Unterstützung von Landesseite, um etwa die Kooperation mit den Geburtskliniken dauerhaft aufrecht erhalten zu können. Deswegen hat sich der Ortenaukreis gemeinsam mit mehreren angrenzenden Landkreisen sowie der Stadt Freiburg mit der dringenden Bitte um Unterstützung an das Sozialministerium gewendet. Der Erfolg der Frühen Hilfen darf nicht durch die Gefahr des Wegbrechens zentraler Grundlagen in Frage gestellt werden.“

 

Ullrich Böttinger bilanzierte die bisherige Arbeit und die anstehenden Herausforderungen:

 „Die Frühen Hilfen haben mit viel Feuer und Leidenschaft begonnen und zu großen Erfolgen geführt. Der Erfolg bringt aber auch zusätzliche Arbeit mit sich. Im Jahr 2018 wurde mit fast 600 Fällen die bisher höchste Fallzahl in den Frühen Hilfen erreicht. Es werden nicht nur mehr, sondern auch immer komplexere Fälle. Es ist daher besonders wichtig, dass auch zukünftig genügend Ressourcen zur Verfügung stehen, um von Anfang an unterstützen zu können. Der Erfolg von heute ist unser Auftrag für morgen“.

Hintergrund Frühe Hilfen im Ortenaukreis

Fachstelle Frühe Hilfen Achern

Illenauer Allee 57, 77855 Achern, Tel. 07841 60484400

 

Fachstelle Frühe Hilfen Haslach

Sandhaasstraße 4, 77716 Haslach, Tel. 07832 99955300

 

Fachstelle Frühe Hilfen Kehl

Rheinstraße 33, 77694 Kehl, Tel. 07851 899740

 

Fachstelle Frühe Hilfen Lahr

Willy-Brandt-Straße 11, 77933 Lahr, Tel. 07821 91570

 

Fachstelle Frühe Hilfen Offenburg

Okenstraße 26, 77652 Offenburg, Tel. 0781 790120

 

Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.fruehe-hilfen-ortenau.de.

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