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Präventionsnetzwerk Ortenaukreis (PNO) setzt Maßstäbe zur Vorbeugung und Gesundheitsförderung in ganz Deutschland

Erfolgreiches Modellprojekt für Kinder geht auch nach Ende der Bundesförderung weiter

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Über ein erfolgreiches Projekt und eine gelungene Veranstaltung freute sich das Team des PNO (hinten, v.l.n.r.): Barbara Schweiß (Zentrale Projektassistenz PNO), Ullrich Böttinger (Leiter PNO), Maja Hanser (Regionale Präventionsbeauftragte (RPB) Offenburg), Claudia Ohnemus (RPB Lahr bis zum 31.10.2018) sowie (vorne, v.l.n.r.) Jacqueline Andris (RPB Lahr ab dem 01.11.2018), Tanja Lott (RPB Kehl und Achern), Marisa Bruder (Zentrale Präventionsbeauftragte) und Anne von Dressler (RPB Haslach). Foto: LRA

Zu einer zweitägigen Projektabschlusstagung des Präventionsnetzwerks Ortenaukreis (PNO) kamen kürzlich mehr als 180 Fachleute und Entscheidungsträger aus Praxis, Forschung, Politik sowie von Krankenkassen und weiteren Sozialversicherungsträgern aus ganz Deutschland im Landratsamt in Offenburg zusammen. Das wichtigste Ergebnis stand bereits vor der Abschlusstagung fest: Der Förderzeitraum geht zu Ende, aber PNO geht weiter! Zentrales Ziel des PNO ist die Förderung der körperlichen und seelischen Gesundheit sowie die soziale Teilhabe von Kindern von drei bis zehn Jahren und deren Familien. Das Landratsamt und das Zentrum für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg haben das PNO als erfolgreiches Modellprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführt.

„Innerhalb von vier Jahren ist es gelungen, mit unserem Präventionsnetzwerk ein bundesweites Vorzeigemodell zu entwickeln, das die seelische, körperliche und soziale Entwicklung bei drei- bis zehnjährigen Kindern und ihren Familien im gesamten Ortenaukreis frühzeitig und nachhaltig fördert und unterstützt“, so Landrat Frank Scherer im Rahmen der Fachtagung. „Ich freue mich sehr, dass wir das PNO auf der Grundlage eines innovativen Finanzierungsmodells gemeinsam mit Sozialversicherungsträgern weiterführen können. Wie wertvoll die Arbeit des PNO ist, zeigt der große Zuspruch der Kindertagesstätten und Schulen im Landkreis und die wissenschaftlich nachgewiesenen positiven Auswirkungen auf Kinder, Fachkräfte und Eltern“, so der Landrat weiter.

Sozialdezernent Georg Benz betonte, dass mit den Frühen Hilfen und dem PNO im Ortenaukreis nun eine durchgängige Präventionskette von der Schwangerschaft bis zum zehnten Lebensjahr aufgebaut wurde. „Der Erfolg der Frühen Hilfen hat uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es war naheliegend, diese positiven Erfahrungen auch über das dritte Lebensjahr hinaus für flächendeckende Prävention im gesamten Landkreis zu nutzen“, erläuterte der Dezernent.

Über 70 Prozent aller Kitas im Ortenaukreis und über 40 Prozent aller Schulen für Kinder bis zu zehn Jahren beteiligen sich bereits aktiv an den PNO-Angeboten. So haben sie etwa eine Organisations- oder Schulentwicklung zur gesundheitsförderlichen Einrichtung oder eine Bedarfsorientierte Fortbildung durchgeführt. Schwerpunktthemen dabei waren beispielsweise die seelische Widerstandskraft (Resilienz), der Umgang mit herausforderndem Verhalten, die Zusammenarbeit mit Eltern und vor allem auch der gesunde Umgang mit digitalen Medien. 

Per Videobotschaft überbrachte Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), aus Köln ihre Glückwünsche und betonte: „Prävention und Gesundheitsförderung bergen ein großes Potential: für das gesunde Aufwachsen wie für die Kostenersparnis im Gesundheits-, Bildungs-, Jugendhilfe- und Sozialsystem“. Dies sei allerdings eine große Herausforderung, für die es laut Thaiss kommunale und regionale Strukturen sowie persönliche Ansprechpartner vor Ort brauche. Das PNO erfülle diese Voraussetzungen in idealer Weise. 

Die beiden PNO-Projektleiter, Ullrich Böttinger vom Amt für Soziale und Psychologische Dienste im Landratsamt Ortenaukreis, und Professor Klaus Fröhlich-Gildhoff vom Zentrum für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg stellten die zentralen Ergebnisse aus Praxis und Forschung vor. 

„Kernpunkt des PNO ist die Kombination aus einer kommunal verankerten und gesteuerten Strategie der Prävention und Gesundheitsförderung, die direkt in den Lebenswelten der Kinder ansetzt. Unsere Erfahrungen zeigen, dass wir an der richtigen Stelle und zum richtigen Zeitpunkt investieren“, so Ullrich Böttinger, der für die Praxis im Ortenaukreis verantwortliche PNO-Leiter. Ganz besonders freue er sich, dass der Kreistag die Weiterführung des PNO beschlossen habe. Dafür wurde ein innovatives Finanzierungsmodell des Ortenaukreises gemeinsam mit verschiedenen Sozialversicherungsträgern auf Grundlage des Präventionsgesetzes entwickelt. Zukünftig werde das Projekt von der AOK, der Techniker Krankenkasse, der BKK sowie der Unfallkasse Baden-Württemberg finanziell unterstützt. Der Ortenaukreis werde das Projekt mit 430.000 Euro im Jahr fortführen, von den verschiedenen Krankenkassen kommen rund 200.000 Euro Finanzmittel dazu. 

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation präsentierte Professor Fröhlich-Gildhoff: „Die beteiligten Bildungsinstitutionen haben nachweisbar eine Vielzahl von neuen Aktivitäten besonders zur Förderung der seelischen Gesundheit bzw. seelischen Widerstandskraft durchgeführt und es gibt klare Anzeichen für eine entsprechende Nachhaltigkeit.“ Vor allem gebe es messbare Verbesserungen des psychischen Wohlbefindens und der sozialen Kompetenzen bei den Kindern. „PNO ist ein Erfolg und ein wegweisendes Beispiel für Deutschland. Bundesweit ist es zum ersten Mal gelungen, in einem großen Flächenkreis kreisweite und auch regionale Steuerungs- und Unterstützungsstrukturen zur Prävention und Gesundheitsförderung aufzubauen und diese systematisch mit Aktivitäten in Kindertageseinrichtungen und Schulen zu verknüpfen“, so der für den Bereich Forschung verantwortliche PNO-Leiter. 

Auch weitere renommierte Referentinnen und Referenten sprachen von einem Leuchtturmprojekt für ganz Deutschland und zeigten die Möglichkeiten zum Transfer in andere Länder und Kommunen im Bundesgebiet auf. Nicht zuletzt erhielten die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer auch in Workshops vertiefte Einblicke in die Erfahrungen des PNO hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten und Schulen sowie zur Vernetzung mit Einrichtungen des Gesundheitswesens, der Jugendhilfe und des Bildungssystems.

In einer Podiumsdiskussion wurde unter anderem hervorgehoben, dass sich auf Grundlage des seit 2015 geltenden Präventionsgesetzes neue Finanzierungsmöglichkeiten ergeben, da Krankenkassen weit mehr Mittel für Prävention ausgeben müssen als zuvor. 

Weitere Informationen zum Präventionsnetzwerk Ortenau finden Sie unter www.pno-ortenau.de.

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