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Ortenaukreis erweitert die finanzielle Förderung der Frühen Hilfen und der Kinderschutzambulanz

Landrat Scherer: „Ortenaukreis deutschlandweit beispielhaft in der Entwicklung früher Prävention und Gesundheitsförderung“

Der Jugendhilfeausschuss des Ortenaukreises stimmte in seiner heutigen Sitzung einstimmig der Erhöhung der finanziellen Förderung der „Frühen Hilfen“ zu. Das Gremium empfiehlt dem Kreistag die Budgetanhebung um rund 45.000 Euro im kommenden Doppelhaushalt 2019/20 bereitzustellen. Auch der Aufstockung des Budgets der Kinderschutzambulanz (Babysprechzeit) um 34.900 Euro in den kommenden beiden Haushaltsjahren stimmten die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses einstimmig zu.

Die Frühen Hilfen richten sich präventiv an alle Eltern und werdenden Eltern, insbesondere aber auch an Familien mit besonderen Belastungen und in schwierigen Lebenssituationen, um die Eltern-Kind-Bindung sowie die Erziehungskompetenz der Eltern zu stärken. „Mit den Frühen Hilfen hat der Ortenaukreis vor rund zehn Jahren ein inzwischen sehr bewährtes und bundesweit viel beachtetes Modell früher Prävention installiert, dessen Erfolg auch den entscheidenden Impuls für den Aufbau des Präventionsnetzwerks Ortenaukreis geliefert hat“, sagte Landrat Frank Scherer kürzlich auf der bundesweiten Projektabschlusstagung des Präventionsnetzwerks. „Damit hat der Kreis eine kommunale Präventionskette von der Schwangerschaft bis zum 10. Lebensjahr etabliert – darüber können wir froh und auch etwas stolz sein. Der Ortenaukreis ist deutschlandweit beispielhaft in der Entwicklung früher Prävention und Gesundheitsförderung. In die Frühen Hilfen zu investieren, wie es der Ortenaukreis macht, ist im besten Sinne nachhaltige Sozialpolitik“, so der Landrat.

„Wir haben seit Start des Programms in rund 5.000 Fällen präventive Hilfen geleistet“, informierte Ullrich Böttinger, Leiter des Amts für Soziale und Psychologische Dienste im Landratsamt und Leiter der Frühen Hilfen zu Beginn der Jugendhilfeausschuss-Sitzung. „Mit unserem passgenauen Hilfs- und Unterstützungsangebot konnten wir erfolgreich und sehr frühzeitig mit Vätern und Müttern, werdenden Eltern sowie Familien mit psychosozialen Belastungen in Kontakt kommen, die wir sonst nicht - und vor allem nicht so früh - erreicht hätten. Diese frühe Erreichbarkeit ist besonders wichtig, um die Eltern-Kind-Bindung zum entwicklungspsychologisch richtigen Zeitpunkt stärken zu können“
Von 500 Fällen jährlich würden rund 85 Prozent von de Fachstellen Frühe Hilfen versorgt, die restlichen von der Babysprechzeit an der Kinderschutzambulanz im Ortenau Klinikum Offenburg. Aufgrund der aktuellen Halbjahreszahlen rechnet Böttinger für dieses Jahr nochmals mit einem deutlichen Anstieg der Inanspruchnahme um bis zu 20 Prozent auf dann rund 600 Fälle. „Das wäre die bisher höchste Fallzahl seit Beginn der Frühen Hilfen.“

Die enge Kooperation zwischen den Fachstellen Frühe Hilfen und den Geburtskliniken im Ortenaukreis habe sich seit Beginn als besonders wirkungsvoll herausgestellt. „98 Prozent aller Geburten in Deutschland finden in den Geburtskliniken statt. Alle Eltern werden bereits in der Klinik auf die Möglichkeiten der Unterstützung angesprochen. Das Klinikpersonal wurde für das Erkennen frühkindlicher Belastungen und Auffälligkeiten in der Mutter-Kind-Interaktion sowie das Führen vertiefender Gespräche speziell geschult“, erklärte Böttinger.
Die Leistung der Kliniken werde noch immer nicht über das Gesundheitswesen finanziert, bedauerte Sozialdezernent Georg Benz: „Das ist - neben zunehmender Versorgungsengpässe bei Hebammen - ein Wermutstropfen. Aufgrund steigenden Arbeitsdrucks, steigender Geburtenzahlen bei gleichbleibender Personalausstattung und kürzerer Liegezeiten bei einer Entbindung fällt es dem Klinikpersonal zunehmend schwerer, die für die Frühen Hilfen grundlegende Leistung weiterhin zu erbringen. Dieses Problem betrifft nicht nur den Ortenaukreis, sondern besteht deutschlandweit“, so Benz. Gemeinsam mit den Kliniken und dem Steuerungsgremium Frühe Hilfen werde an Lösungsmöglichkeiten gearbeitet.

„Unsere Frühen Hilfen sind ein Erfolgsmodell – und sollen es blieben. Wir möchten das gesunde Aufwachsen von Kindern im Ortenaukreis durch frühzeitige und nachhaltige Hilfen weiterhin fördern“, betonte Benz. Der Sozialdezernent machte deutlich, dass bei Personal-Tarifsteigerungen von jährlich drei Prozent bei den Fachstellen in Trägerschaft der Caritasverbände und der Kinderschutzambulanz kein Weg an einer Budgetanpassung vorbei führe, wenn man die Prävention von Anfang an und in der bisherigen Qualität aufrechterhalten wolle. Dem pflichteten die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses bei und empfahlen einstimmig dem Kreistag, die erforderlichen Mittel in den Doppelhaushalt 2019/20 einzustellen.

Das Budget der Frühen Hilfen soll bei einem positiven Kreistagsentscheid (Sitzung 6. November) für das Jahr 2019 von bisher 857.300 Euro um 13.100 Euro auf 870.400 Euro vom 1. Januar 2020 um weitere 32.300 Euro auf 902.700 Euro erhöht werden. Das Budget der Babysprechzeit an der Kinderschutzambulanz für das Jahr 2018 soll von bisher 194.000 Euro m 28.800 Euro auf 222.800 Euro und für 2019 und um weitere 6.100 Euro auf 228.900 Euro in 2020 erhöht werden.

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