Hilfsnavigation

Massiver Borkenkäferbefall im Ortenaukreis

Waldwirtschaftsamtsleiter Schütz: „Es ist Eile geboten!“

Großes Bild anzeigen
An der Baumkrone deutlich erkennbar ist das Absterben von Bäumen, die wie hier am Braunberg vom Borkenkäfer befallen sind. Foto: LRA

Aufgrund der anhaltenden Trockenperiode und der hohen Durchschnittstemperaturen informiert das Amt für Waldwirtschaft des Ortenaukreises, dass aktuell ein massiver Borkenkäferbefall droht. Bereits Anfang August hatte das Landratsamt Privatwaldbesitzer und Revierleitungen zur erhöhten Vorsicht aufgerufen. Angesichts der sich zuspitzenden Lage sind die Verantwortlichen abermals aufgefordert, intensive Kontrollen durchzuführen und entsprechende Maßnahmen im Zuge des Borkenkäfermanagements zu ergreifen.

„Wir befinden uns in einem extremen Trockenjahr, was seit Anfang August auch in den Wäldern offenkundig wird. Die Folgen dieser Trockenheit sind nicht mehr zu übersehen“, erklärt Dezernent und Waldwirtschaftsamtsleiter Holger Schütz. Wie erwartet ist die Fichte derzeit am härtesten betroffen. „Die Lage ist seit Anfang August sehr ernst, das gesamte Ausmaß der Zwangsnutzungen durch Borkenkäfer wird sich aber erst im Herbst abbilden lassen“, so Schütz weiter. „Wir rechnen bis weit in den Oktober hinein mit dem Einschlag von Käferholz“.

Seit April herrschen in der Bundesrepublik und in großen Teilen von Mittel- und Nordeuropa außergewöhnlich hohe Temperaturen kombiniert mit einem hohen Niederschlagsdefizit. Aufgrund des Wassermangels funktioniere der natürliche Abwehrmechanismus der Nadelbäume – die so genannte Harzbarriere – nicht mehr, erklärt der Experte. Die Käfer können ungehindert in die Bäume eindringen. Dies führe in der Folge zum Absterben der befallenen Bäume.
Rote Verfärbungen der Krone und Rindenabfall sind oft von weitem sichtbar. Bei der direkten Baumkontrolle ist braunes Bohrmehl, vor allem am Stammfuß, ein eindeutiger Hinweis auf Käferbefall. Ebenso verhält es sich mit dem Auftreten von Harztröpfchen und Harzfluss, charakteristischen Fraßbildern an der Rinde und hellen Flecken am Stamm. Hier hat der Specht auf seiner Suche nach Käfern die Rinde abgehackt.

Waldbesitzer sind dringend aufgefordert gefährdete Bestände mit z.B. Vorjahresbefall, Sturm- und Schneebrüchen ein Mal wöchentlich zu kontrollieren. Vor allem an trockenen Bergrücken und oberhalb von Wegen finden sich oft Käferbäume. Die Käfer verlagern dieses Jahr ihre Aktivität aber auch auf das Bestandesinnere, weshalb selbst dort verstärkt kontrolliert werden muss. Nicht abgefahrene, ungespritzte Nadelholzpolter oder vergessene Hackholzhaufen bieten ebenfalls gute Brutbedingungen und haben mancherorts maßgeblich zur rasanten Ausbreitung beigetragen.

Im Kinzigtal und vor allem im Renchtal sind bereits hohe Schadholzmengen entstanden, auch im Achertal ist die Situation angespannt. Sowohl Forstwirte und Revierförster als auch Forstunternehmen und Fuhrleute sind dort im Dauereinsatz. „Nach dem Ende der Werksferien der meisten holzverarbeitenden Betriebe muss deshalb jetzt ein sehr zügiger Holzabfluss sichergestellt werden. Es ist Eile geboten!“, appelliert Schütz. Borkenkäfermanagement sei nur effektiv, wenn die befallenen Bäume früh entdeckt werden, zügig aufgearbeitet und vor allem schnellstmöglich aus dem Wald gebracht werden, am besten direkt ins Sägewerk und wenn das nicht möglich ist, ins Trockenlager nach Ohlsbach oder in die Rheinebene.

Ist eine zeitnahe Abfuhr ins Sägewerk oder Trockenlager nicht möglich, müssen die Stämme durch sachkundiges Personal mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Es hat sich dabei bewährt, das Holz in großen Poltern zusammen zu ziehen und anschließend durch Profis spritzen zu lassen. Eine Entrindung der anfallenden Käferholzmengen ist aufgrund der kaum vorhandenen Entrindungskapazität, des Zeitaufwandes, unzugänglicher Lagen und schlechten Absatzmöglichkeiten wenig realistisch und daher nicht zu empfehlen.

Fragen zum Borkenkäfermanagement beantworten die örtlich zuständigen Revierleitungen oder das Amt für Waldwirtschaft unter E-Mail waldwirtschaft@ortenaukreis.de oder Telefon 0781 805 7255. Praxisinformationen und Handlungsempfehlungen zum Borkenkäfermanagement gibt es auf der Internetseite des Ortenaukreises unter dem Suchbegriff „Borkenkäfer“.

Kontakt

Pressesprecher
Badstraße 20
77652 Offenburg
Karte anzeigen

Telefon: 0781 805-9635
Fax: 0781 805-9573

Kontaktformular