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Kultur- und Bildungsausschuss beschließt den Ausbau der Bildungsangebote für jugendliche Zuwanderer an den Kaufmännischen Schulen in Hausach und in Lahr

Zwei neue „VABO“-Klassen

In seiner gestrigen Sitzung hat der Kultur- und Bildungsausschuss des Kreistags die Einrichtung von je einer VABO-Klasse an den Kaufmännischen Schulen in Hausach und in Lahr ab dem Schuljahr 2017/18 beschlossen. Das sogenannte „Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf für Jugendliche ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen“ (VABO) richtet sich an jugendliche Zuwanderer von 15 bis 18 Jahren, die keine oder nur geringe Deutschkenntnisse haben. Aktuell gibt es bereits 24 solcher „VABO“-Klassen an den Beruflichen Kreisschulen des Ortenaukreises. Darüber hinaus sind für zwei spezielle Alphabetisierungsklassen beim Christlichen Jugenddorf Offenburg eingerichtet. Insgesamt werden rund 420 jugendliche Zuwanderer für das Leben in Deutschland und für die Arbeitswelt fit gemacht.

„Trotz der Einrichtung von vier zusätzlichen Klassen zum Schuljahresbeginn ist die Kapazität der derzeit vorhandenen Klassen erneut ausgeschöpft. 30 berufsschulpflichtige junge Zuwanderer stehen inzwischen schon wieder auf den Wartelisten unserer Schulen und wir rechnen mit weiter steigendem Bedarf“, informierte Sozialdezernent Georg Benz. Aufgrund der Entwicklung der Zuwanderungszahlen wurde das Angebot an den Beruflichen Schulen im Ortenaukreis seit 2014 (3 Klassen) kontinuierlich auf inzwischen 24 Klassen ausgebaut.

Das VABO dauert grundsätzlich ein Jahr. Durchgängiges Unterrichtsziel in diesen Klassen ist der Spracherwerb auf der Niveaustufe A2 („Elementare Sprachanwendung“) des Europäischen Referenzrahmens. Wird dieses Ziel im ersten Jahr noch nicht erreicht, können die Absolventen ein weiteres Jahr im VABO verbleiben. Die dort eingesetzten Lehrkräfte verfügen in der Regel über eine Zusatzqualifikation „Deutsch als Fremdsprache“ und vermitteln überwiegend Deutschkenntnisse (15 Stunden pro Woche) sowie kulturelle Inhalte und alltagsbezogene Kompetenzen, um den jungen Menschen das Ankommen in Deutschland zu erleichtern.

„Für die meisten jugendlichen Zuwanderer ist dieses besondere Schulangebot die einzige Perspektive, um die nötigen Grundlagen für eine spätere erfolgreiche Berufsausbildung zu erwerben. Eine Berufsausbildung ist aber wiederum der einzige Weg, um dauerhaft gesellschaftlich integriert und unabhängig von staatlichen Leistungen in Deutschland leben zu können“, so Benz. Neue soziale Kontakte und die Erfahrung eines strukturierten Tagesablaufs seien positive Nebeneffekte des Vorbereitungsjahres und für die Entwicklung der Jugendlichen von großer Bedeutung.

„Durch den bedarfsorientierten Ausbau des Schulangebotes für Neuzugewanderte können berufsschulpflichtige junge Migranten in der Ortenau schnellstmöglich Deutschunterricht erhalten. Sprachkenntnisse, Kenntnisse über den Alltag in Deutschland und eine erste berufliche Orientierung im VABO und im nachfolgenden VAB in Regelform sind der erste Schritt für eine gelungene Integration. Die Ausweitung des Angebots auf die Schulen in Hausach und Lahr ermöglicht es zudem, dass die Jugendlichen die Kurse noch wohnortnäher besuchen können“, ergänzte Schulamtsleiter Bernhard Kohler.

Die Kaufmännischen Schulen Hausach und Lahr verfügen über geeignete Schulräume. Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport muss dem Einrichtungsbeschluss noch zustimmen und die erforderlichen Lehrdeputate bereitstellen.